Taliban:Die Angst vor den Frauen

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Wie erwartet, brechen Afghanistans Islamisten alle ihre Versprechungen, Mädchen ein Recht auf Bildung zu gewähren. Doch die internationale Gemeinschaft kann etwas tun.

Kommentar von Tobias Matern

Sie zeigen wieder ihr wahres Gesicht. Die Taliban verbieten Mädchen in Afghanistan ab zwölf Jahren den Schulbesuch. Sie schränken für allein reisende Frauen die Bewegungsfreiheit und das Recht auf Selbstbestimmung ein. Die Taliban haben zwar in den vergangenen Monaten betont, dass sie Frauenrechte angeblich "im Rahmen des islamischen Rechts" achten würden. Wie sie das im Ernstfall meinen, machen sie nun aber sehr deutlich.

Als Kriegspartei hatten die Taliban den USA nicht nur ein militärisches Patt abgerungen, sondern auch geschickt mit der Supermacht verhandelt und Donald Trumps ziemlich unfähige Diplomaten ausgestochen. Die Folge waren der blamable Abzug des Westens nach 20 Jahren Einsatz und die Rückkehr der Islamisten an die Macht. Aber eine Regierung zu führen und auf internationaler Bühne Kompromisse einzugehen, erfordert andere Kenntnisse, und die fehlen den Taliban. Die Leidtragenden sind nun die afghanischen Mädchen, die nicht mehr in die Klassenräume dürfen.

Dabei müssten die Islamisten wahrscheinlich noch nicht einmal ihre rückwärtsgewandte Position aufgeben, nach der Mädchen und Jungen ab zwölf Jahren angeblich getrennt voneinander unterrichtet werden müssen. Der Westen hat deutlich gemacht, dass Hilfszahlungen unter anderem an das Recht auf Bildungschancen für alle Kinder geknüpft wird. Da es ihm immer ein Anliegen war, Mädchen in Afghanistan den Zugang zu Bildung zu ermöglichen, liegt in diesen Positionen die Möglichkeit für einen Kompromiss, der den Schülerinnen den Weg zurück ins Klassenzimmer ebnen könnte.

Wahrscheinlich geht das Problem aber tiefer: Die Ignoranz der Taliban lässt auch darauf schließen, dass sie sich vor gebildeten Frauen fürchten. Bildung bedeutet Aufklärung. Aufklärung bedeutet die Fähigkeit zum kritischen Denken. Und je mehr Schülerinnen in Afghanistan das kritische Denken lernen, desto mehr werden die Taliban-Regierung infrage stellen.

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