Ortskräfte:Viel zu wenig, viel zu spät

Die Ausreden der Regierung, warum die Rettung afghanischer Mitarbeiter der Bundeswehr zu einem solchen Desaster geriet, sind nur eines: ein Skandal.

Von Joachim Käppner

Das ist in der Politik nicht anders als in der Schule oder im Büro: Wird jemand bei einer krassen Fehlleistung ertappt, braucht es einiges Format, diese zuzugeben. Ausreden machen die Sache meist noch schlimmer. Im Falle der Bundesministerien, die für die schleppende bis ausbleibende Hilfe für afghanische Mitarbeiter der Bundeswehr verantwortlich sind, sind die Ausflüchte skandalös: Man habe doch Programme gestartet und die ersten dieser Ortskräfte genannten Menschen seien ja inzwischen in Deutschland eingetroffen, nur einige Tage nach dem Abzug der letzten Truppen. Jenen aber, die zurückblieben, droht die mitleidlose Rache der Taliban.

Viel zu wenig, viel zu spät. Bei etlichen Soldaten im Afghanistaneinsatz hat es nicht am guten Willen gefehlt, den Ortskräften zur Ausreise zu verhelfen. Dazu hätten diverse Ministerien aber schon lange vor dem Abzug Ende Juni einen Evakuierungsplan aufstellen und die Menschen einfach mit ins Flugzeug nehmen müssen statt hirnverbrannte Hürden aufzutürmen. Die deutsche Bürokratie hat noch nicht einmal verstanden, wie groß der Kreis der Bedrohten wirklich ist: Dazu gehört jeder und jede, die mit der Bundeswehr zusammengearbeitet hat. Nicht nur die Dolmetscher. Küchenpersonal, Blogger, Reinigungskräfte und viele andere erleben jetzt, was der Dank Deutschlands wert ist.

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