Präsident Joe Biden wählt die große Geste: Bis zum 11. September, exakt 20 Jahre nachdem Terroristen das World Trade Center zum Einsturz gebracht haben, will er alle Truppen aus dem längsten Krieg der US-Geschichte nachhause holen. Biden begeht damit den letzten, großen Fehler des Einsatzes in Afghanistan.
Die Taliban haben den USA und den anderen westlichen Truppen 20 Jahre lang ein militärisches Patt abgetrotzt. Mit ihrer Strategie des asymmetrischen Krieges kauften sie der westlichen Allianz den Schneid ab und terrorisierten gleichzeitig ihre Landsleute, indem sie Regierungsgebäude in die Luft jagten und Polizeistationen stürmten. So manövrierten sie sich an den Verhandlungstisch und errangen dort einen diplomatischen Erfolg: Zuerst handelten sie mit den USA ein an Bedingungen geknüpftes Abzugsdatum aus. Mit diesem Plan im Rücken verschleppten die Taliban die Gespräche mit der afghanischen Regierung, weil sie immer wussten: Ist die westliche Schutzmacht erst einmal weg, können sie in Kabul nach der ganzen Macht greifen.
Biden ist der vierte US-Oberbefehlshaber dieses Einsatzes. Genau wie Bush, Obama und Trump orientiert er sich nicht an der afghanischen Realität. Den Abzug hätte er erst nach einer tragfähigen Friedenslösung zwischen afghanischer Regierung und den Taliban einleiten dürfen. So droht Afghanistan eine Rückkehr der Islamisten an die Macht.


