Afghanistan:Rückkehr der Taliban

Warum der Westen in Afghanistan gescheitert ist - und wer nun besonders Angst haben muss.

Von Tobias Matern

Ende gut, nichts gut: Die Nato hat ihren Einsatz in Afghanistan abgeschlossen. Der Abzug erfolgte heimlich, still und leise, weil es nichts zu feiern gibt. Nach der Sowjetunion Ende der 1980er-Jahre ist auch der Westen in Afghanistan gescheitert. Die USA und ihre Verbündeten waren nach den Anschlägen vom 11 September 2001 gekommen, um die Taliban zu stürzen und die Terrorgefahr zu eliminieren. Letztere ist zwar massiv gesunken, aber die Nato hinterlässt ein instabiles Land.

Niemand kann garantieren, ob von Afghanistan aus nicht in Kürze wieder extremistische Gruppen operieren werden. Wenn im Westen dann die Geschichte erzählt wird, dass die Afghanen eben nicht in der Lage seien, selbst für Frieden in ihrem Land zu sorgen, gibt es ein einfaches Gegenargument: Die USA und ihre Verbündeten haben die Voraussetzungen dafür nicht geschaffen.

Die Taliban, nach dem Einmarsch der USA und ihrer Verbündeten binnen Wochen aus Kabul vertrieben, kehren nun wieder an die Macht zurück. Sie diktieren die Bedingungen für einen innerafghanischen Frieden. Dies ist das Resultat einer langen westlichen Fehlerkette, an deren Ende die USA sich nur bilateral mit den Taliban auf ihren Abzug verständigt und die Kabuler Regierung aus den Friedensgesprächen herausgehalten haben. Vor allem die demokratischen Kräfte des Landes, die Kämpfer für Frauenrechte und Aktivistinnen der Zivilgesellschaft, müssen nun weitgehend allein mit den Islamisten zurechtkommen. Keine Aussicht, die Mut macht.

© SZ
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