Der Name des Kardinals Francesco Barberini (1597 bis 1679) ist bis heute mit hochklassiger Kunst verknüpft: Nach dem Vorbild des Palazzo Barberini in Rom schuf der italophile Preußenkönig Friedrich II. das gleichnamige Palais in Potsdam, vor wenigen Jahren rekonstruiert als Museum Barberini. Doch der Kardinal steht auch für Nepotismus. Sein Onkel Maffeo Barberini, bekannt als Papst Urban VIII., versah den Neffen (“Nepoten“) mit der Kardinalswürde, um sich dessen Dienste vor allem in den quälend langen Verhandlungen des damals tobenden Dreißigjährigen Krieges zu sichern. Die Praxis, Verwandte mit wichtigen Ämtern zu bedenken, war in der katholischen Kirche üblich und wurde offiziell erst durch Papst Innozenz XII. Ende des 17. Jahrhunderts beendet. Das Prinzip jedoch blieb erhalten, mal als Nepotismus, mal als Vetternwirtschaft bezeichnet. In beiden Fällen platzieren Machthaber – gleich ob in Politik oder Wirtschaft – Familienmitglieder oder Verwandte auf guten Posten, entweder um loyale Mitarbeiter zu haben oder um den Verwandten ein angenehmes Einkommen zu sichern. Gelegentlich trifft auch beides zu. Fälle von Vetternwirtschaft sind aus dem Bayerischen Landtag ebenso bekannt wie aus dem Weißen Haus etwa unter Präsident Donald Trump. Derzeit beschäftigt sich die AfD mit Vetternwirtschaft in ihren Reihen.
Aktuelles LexikonWas ist Vetternwirtschaft?

Wenn Machthaber Verwandte auf wichtige Posten platzieren. Schon in der katholischen Kirche des Mittelalters üblich, derzeit ein Problem für die AfD.
Von Johanna Pfund