Sachsen:Alle für eins

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Die AfD scheitert an ihrem Ziel, endlich einen Landrat zu stellen. Sachsen mag nach wie vor ein gespaltenes Land sein, es ist aber kein verlorenes.

Kommentar von Ulrike Nimz

Manchmal ist die größte Überraschung, dass es keine Überraschungen gibt. Entgegen allen Prophezeiungen haben die Landratswahlen in Sachsen keinen Erfolg der AfD gebracht. Die Partei ist an ihrem Ziel, erstmals einen Kreis-Chef zu stellen, gescheitert. In ihrem Kernland. Da hilft es auch nicht, dass der AfD-Vorsitzende Jörg Urban gewohnt faktenresistent ein "massives Totschweigen" durch die Medien als Grund für die Niederlage ausmacht. Natürlich ist berichtet worden. Aber viele der Kameras und Mikrofone werden sich nun woandershin ausrichten, wie immer, wenn der Worst Case ausbleibt. Dabei birgt das vermeintlich unspektakuläre Ergebnis spannende Erkenntnisse.

Sachsen ist mitnichten ein verlorenes Land, bleibt aber gespalten. Die demokratische Mehrheit sieht sich erneut einer radikalisierten Minderheit gegenüber. Die Zustimmungswerte der AfD bleiben teils hoch. Mit den "Freien Sachsen" formiert sich dazu eine noch extremere Bewegung. Allen anderen ist es deshalb längst zur ungeliebten Routine geworden, strategisch zu wählen oder einen gemeinsamen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Meist profitiert davon die CDU. Noch.

Dass es in der Politik nicht nur ums Verhindern gehen kann, sondern auch ums Ermöglichen, zeigt das Beispiel Mittelsachsen. Mit dem Parteilosen Dirk Neubauer ist dort nun ein ehemaliger Journalist, Bürgermeister und U2 -Fan Landrat. Weil er die Sehnsucht nach Veränderung und direkter Ansprache bedient. Weil er Aufmerksamkeit schafft, ganz ohne Ressentiment.

Neubauer ist ein Populist im besseren Sinne: ein Werber für Bürgerbeteiligung, unbequeme Debatten, die Schönheit des sächsischen Hinterlandes. Davon braucht es mehr im Freistaat, denn die Wahlbeteiligung war vielerorts erschütternd gering. Im Landkreis Zwickau interessierten sich gerade einmal 28,9 Prozent dafür, was vor ihrer Haustür geschieht. Dies zu ändern, ist nicht nur Aufgabe der Politik. Es ist die Aufgabe aller.

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