EU-Energiepolitik:Gut gemeint

Einige Regierungen wollen den Strompreis stärker regulieren. Doch das wäre schädlich und vor allem unnötig.

Kommentar von Björn Finke

Der Vorschlag ist verlockend und doch so falsch: Manche EU-Regierungen, etwa die französische und spanische, wollen ändern, wie sich im Stromgroßhandel die Preise bilden. Bisher setzt der teuerste Produzent den Preis. Das sind im Moment Gaskraftwerke. Damit treiben die gestiegenen Gasnotierungen den Strompreis hoch, und das belastet Verbraucher und Industrie. Die Regierungen in Paris und Madrid wollen diese Verbindung daher brechen. Am Freitag riet aber die zuständige EU-Fachbehörde in einem lange erwarteten Bericht von derart radikalen Reformen ab.

Die EU-Energieminister werden am Montag über die Ergebnisse diskutieren. Sie sollten sich die Studie zu Herzen nehmen. Da bislang das teuerste Kraftwerk, das zum Befriedigen der Nachfrage gebraucht wird, den Preis bestimmt, erzielen günstige Anbieter hohe Gewinne: etwa Wind- und Solaranlagen. Das schafft Anreize, mehr in erneuerbare Energien zu investieren. Zugleich stellt dieses bewährte Modell sicher, dass jeder Produzent seine Kosten decken kann.

Würde die EU niedrigere Strompreise festsetzen, arbeiten die Gaskraftwerke auf einmal mit Verlust. Die Regierungen müssten die Betreiber subventionieren, damit sie nicht die Anlagen vom Netz nehmen und die Lichter ausgehen. Darum sollten es die Staaten tunlichst vermeiden, Preise zu verzerren. Viel sinnvoller ist es, gezielt den besonders betroffenen Haushalten zu helfen, zum Beispiel mit Energiegutscheinen.

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