Profil:Aaron Opoku

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Profil: Aaron Opoku, Fußballer des Drittligisten VfL Osnabrück.

Aaron Opoku, Fußballer des Drittligisten VfL Osnabrück.

(Foto: Revierfoto via www.imago-images.de/imago images/Revierfoto)

Fußballer und gelassenes Opfer einer rassistischen Beleidigung, die zum Spielabbruch in Duisburg führte.

Von Thomas Hürner, Hamburg

Es gehört zum Werdegang des Fußballers Aaron Opoku, dass es schon alle erdenklichen Schlagzeilen über ihn zu lesen gab. "Sportschau zeichnet Opoku für Tor des Monats aus", meldeten einige Medienhäuser etwa im August 2019, als der Angreifer für einen sehenswerten Hackentreffer im Trikot des FC Hansa Rostock gewürdigt wurde. Der aufstrebende Profi hatte damals allen Grund zur Freude, er empfand die Auszeichnung im besten Sinne als "krank, wirklich krank" - und konnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, dass es fortan Artikelüberschriften mit einer anderen Intonation geben würde. Das klang häufig so: "Wird er wieder verliehen? Null Chance für Aaron Opoku!"

Der 22-jährige Opoku war bislang einem eher kleinen Publikum ein Begriff, er trat vor allem als klassischer Ja-aber-Fußballer in Erscheinung: Ja, der könnte mal eine beachtliche Karriere hinlegen, aber dafür müsste er hier oder dort noch zulegen. Am vergangenen Sonntag hat Opoku, derzeit in Diensten des Drittligisten VfL Osnabrück, nun erstmals bundesweite Aufmerksamkeit auch außerhalb des Fußballmilieus erlangt. Sein Name wurde in allen Zeitungen und Fernsehsendern des Landes erwähnt, es wurde berichtet von einem "Rassismus-Eklat" und einer "Schande für den deutschen Fußball", es meldeten sich etliche Branchenmitglieder mit Solidaritätsbekundungen zu Wort. Was war geschehen?

Opoku hatte man lange eine große Karriere zugetraut

Opoku, geboren in Hamburg, Sohn ghanaischer Eltern, war während einer Auswärtspartie beim MSV Duisburg mutmaßlich rassistisch beleidigt worden. "Du Affe kannst eh keine Ecken schießen", soll ein MSV-Anhänger in Richtung des Spielers geschrien haben, es gibt auch Berichte über Affenlaute von den Zuschauerrängen. Für sich genommen wäre das leider kein Einzelfall, in den Stadien kommt es immer wieder mal zu rassistischen Ausfällen. Neu war aber die Reaktion darauf. Die Osnabrücker weigerten sich, das erst 35 Minuten alte Spiel fortzusetzen, aus Protest und symbolischer Verbrüderung mit Opoku. Und obgleich die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen andauern und die Partie womöglich als Niederlage für Osnabrück gewertet wird: Viele Beobachter interpretieren den vorzeitigen Spielabbruch als wichtigen Sieg in der Sache; NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, der Vorgang in der Duisburger Arena habe ihm "imponiert". In England oder Italien kam es bereits häufiger zum Boykott der sportlichen Betriebsabläufe, einige der dort wegen ihrer Hautfarben beleidigten Fußballer gelten auch hierzulande als Berühmtheiten, zum Beispiel der gebürtige Berliner und jetzige Hertha BSC-Akteur Kevin-Prince Boateng.

Opoku verkörpert jenen Typ Straßenkicker, der in der DFB-Elf häufig für vermisst erklärt wird: anarchisch, spielfreudig, pfeilschnell. "Wir hatten vor dem Haus direkt einen Gummiplatz", berichtete Opoku einmal, dort habe er sein Dribbling und die provokante Kunst des Beinschusses perfektioniert. Sein Talent sprach sich schnell herum, seit Jugendjahren liegen seine Transferrechte beim Traditionsklub Hamburger SV. Der Durchbruch des früheren deutschen Jugendnationalspielers blieb jedoch bislang aus, er teilt seit einigen Jahren das Schicksal jener Unvollendeten, die per Leihe durch die Fußballprärie geschickt werden, um eines Tages vielleicht doch noch den Anschluss nach oben zu schaffen: Rostock, Regensburg, aktuell Osnabrück. Seine Karriere wäre allerdings fast beendet gewesen, bevor sie richtig angefangen hatte. 2018 erlitt der Angreifer einen Lungenkollaps, eine Notoperation rettete sein Leben. Es habe "eine Weile gedauert, um den Schock zu verkraften", erzählte Opoku ein Jahr später.

Am Montag, also kurz nach dem Rassismus-Vorfall in Duisburg, wirkte es nicht so, als habe er psychotherapeutische Hilfe nötig. Über seinen Berater ließ Opoku mitteilen, dass er sich auf ein "ruhiges Weihnachtsfest" mit seiner Familie freue.

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