Bildung:Am Leben vorbei

50 Jahre Bafög: Immer weniger junge Menschen haben Anspruch auf die Ausbildungsförderung - das kann nicht so bleiben.

Von Paul Munzinger

Es klingt ja tatsächlich kurios: Immer weniger Menschen nehmen eine staatliche Unterstützungsleistung in Anspruch - und von den Gewerkschaften über die Grünen bis zur FDP sind sich alle einig, dass es so nicht weitergehen darf. Ist die Jahr für Jahr sinkende Zahl der Bafög-Empfängerinnen und -Empfänger nicht eine gute Nachricht? Ein Zeichen dafür, dass es vielen Familien finanziell gut geht und sie keine Hilfe brauchen, um ihren Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen? Schön wär's.

Das 1971 erfundene Bafög ist eine der besten Ideen, die die Bundesrepublik je hatte. Umso trauriger, dass es zum 50. Geburtstag den nächsten Tiefpunkt erlebt. Nur noch 639 000 junge Leute bekamen 2020 Geld aus dem Bundesausbildungsförderungsgesetz überwiesen, 2012 waren es noch fast eine Million. Ein massiver Einbruch, den inzwischen nicht einmal mehr das Bundesbildungsministerium von Anja Karliczek als Folge guter Konjunktur zu verkaufen wagt - angesichts der Zumutungen, die die Corona-Krise auch für viele Studierende bedeutet.

In Wirklichkeit ist es Karliczek nicht gelungen, das Bafög an die Lebenswirklichkeit Studierender anzupassen. Vor allem die Freibeträge für das Einkommen der Eltern sind immer noch zu niedrig - mit der Folge, dass auch Schüler und Studierende aus der Förderung fliegen, deren Familien sie nicht unterstützen können. Die Bundesregierung sollte das schleunigst ändern - wer auch immer ihr von September an angehört.

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