Zum Tod von Klaus Bednarz:Weg von den Wichtigtuereien

Gebildet war er in dem alten, umfassenden Sinn. Über den Schriftsteller Anton Tschechow hat er promoviert. Er liebte Mandelstam, Tolstoi, Gogol und verehrte Lew Kopelew. Das Theater hat ihn früh fasziniert, und es ist schon erstaunlich, dass niemand sein Talent zum Schauspielern ernst nahm.

Auch für Sport hat er sich mit Leidenschaft interessiert. Er war Schwimmer, spielte Volleyball, auch von Fußball verstand er eine Menge. Aber niemand kam auf die Idee, ihm den Posten des Sportchefs anzubieten. Er hätte das als Fleiß-Fanatiker wohl ganz gut hinbekommen.

Raus aus dem Journalismus

Ohne dass er darum viel Wind machte, hat er knapp anderthalb Jahrzehnte gegen eine Krankheit gekämpft, die ihn am Ende immer mehr bedrängte. Nach seinem Abschied in Köln zog er in eine Hütte in der Nähe von Schwerin und wurde in dem Inszenierungsgeschäft Journalismus fortan kaum noch gesehen.

Für einen Publizisten seiner Bedeutung war es eine Leistung, dass er sich mit den Wichtigtuereien, die manche Alte seltsamerweise bis zum Grab beschäftigen, nicht beschäftigte. Er blieb politisch interessiert, rannte aber nicht durch die Hauptstadt, um mit ehemaligen Berufskollegen zu diskutieren, was aus der FDP werden mag oder nicht.

Er las Bücher, besichtigte Kirchen, nahm sich Zeit für die zwei kleinen Enkel, mit denen er in einem angeblich unsinkbaren DDR-Ruderboot gern auf einem See bei Schwerin fuhr. Er schaffte es also spätestens im Alter, der zu werden, der er war. Das gelingt nicht allen.

Am Dienstagabend starb Bednarz daheim im Kreis der Familie. Das Dorf, in dem er zuletzt die meiste Zeit verbrachte, liegt rund 70 Kilometer von Lübeck entfernt, wo tags zuvor Günter Grass starb. Bednarz wurde 72 Jahre alt.

© SZ vom 16.04.2015/cag
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