Zum Tod von Klaus Bednarz:Streitlustig und still

Klaus Bednarz

Journalismus war für ihn keine Modeveranstaltung: Klaus Bednarz 2012 in Köln.

(Foto: dpa)

Journalismus war für Klaus Bednarz eine Haltungsfrage, er war ein Agitator für andere und anderes. Im Alter schaffte es der langjährige "Monitor"-Moderator schließlich, der zu werden, der er war.

Von Hans Leyendecker

Der Journalist Klaus Bednarz war viele Jahre eines der wichtigsten Gesichter der ARD, weil er unverwechselbar war. Und das nicht etwa, weil er im Fernsehen meist einen blauen Pullover trug.

Er war nicht zu verwechseln, denn er hatte eine journalistische Botschaft, ein Anliegen: Für die Rechte von Minderheiten, für Menschenrechte, für die Erhaltung der Umwelt ergriff er Partei. Und Pazifist war er auch. Journalismus war für ihn keine Modeveranstaltung, auf der man die neueste Kreation vorstellt, wenn es eben Mode ist und den anderen gefällt, sondern nicht zuletzt eine Haltungsfrage.

Bednarz verstand es, im zweifachen Sinn des Wortes, sich Feinde zu machen. Er war auch ein Agitator für andere und anderes. Seiner Gemeinde gefiel das.

Fast vier Jahrzehnte lang arbeitete er für den WDR. Er war Korrespondent in Warschau und dann Leiter des ARD-Studios in Moskau. Er stand der Redaktion Auslandstudio vor, moderierte ein knappes Jahr die Tagesthemen, um dann das Magazin Monitor zu übernehmen, das in diesem Sommer 50 Jahre alt wird. Achtzehn dieser Jahre waren seine Jahre.

Zeit für die Welt

Als er 1983 die Leitung von Monitor übernahm, war die Sendung bereits durch seine Vorgänger Claus Hinrich Casdorff und Gerd Ruge etabliert. Er hat dann mit Können und Pathos rund 1500 Beiträge verantwortet, von denen viele stark und manche ziemlich schwach waren. Einige Beiträge führten zu Werksschließungen, andere ins Nichts.

Bis zu seiner Pensionierung 2007 nahm sich Bednarz als WDR-Chefreporter und ARD-Sonderkorrespondent noch einmal Zeit für die Welt. Er war in Sibirien, Alaska, Feuerland, Patagonien und sonstwo; in Reisereportagen erklärte er wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge und die Menschen in den Ländern. Bednarz war ein stiller Erzähler.

Seine Streitlust, seine Unbedingtheit, und seine Fähigkeit, ganz leise zu werden, standen in einem scheinbaren Gegensatz. Das war bei ihm häufiger so. Er war nicht immer glücklich, aber er mochte das Leben auf seine Weise. Bednarz war Teamarbeiter und Einzelgänger zugleich. Das Maß aller Dinge war er sich aber nicht. Er konnte nicht nur mächtig austeilen, sondern auch einstecken, was in diesen Kreisen ziemlich selten ist.

Weg von den Wichtigtuereien

Gebildet war er in dem alten, umfassenden Sinn. Über den Schriftsteller Anton Tschechow hat er promoviert. Er liebte Mandelstam, Tolstoi, Gogol und verehrte Lew Kopelew. Das Theater hat ihn früh fasziniert, und es ist schon erstaunlich, dass niemand sein Talent zum Schauspielern ernst nahm.

Auch für Sport hat er sich mit Leidenschaft interessiert. Er war Schwimmer, spielte Volleyball, auch von Fußball verstand er eine Menge. Aber niemand kam auf die Idee, ihm den Posten des Sportchefs anzubieten. Er hätte das als Fleiß-Fanatiker wohl ganz gut hinbekommen.

Raus aus dem Journalismus

Ohne dass er darum viel Wind machte, hat er knapp anderthalb Jahrzehnte gegen eine Krankheit gekämpft, die ihn am Ende immer mehr bedrängte. Nach seinem Abschied in Köln zog er in eine Hütte in der Nähe von Schwerin und wurde in dem Inszenierungsgeschäft Journalismus fortan kaum noch gesehen.

Für einen Publizisten seiner Bedeutung war es eine Leistung, dass er sich mit den Wichtigtuereien, die manche Alte seltsamerweise bis zum Grab beschäftigen, nicht beschäftigte. Er blieb politisch interessiert, rannte aber nicht durch die Hauptstadt, um mit ehemaligen Berufskollegen zu diskutieren, was aus der FDP werden mag oder nicht.

Er las Bücher, besichtigte Kirchen, nahm sich Zeit für die zwei kleinen Enkel, mit denen er in einem angeblich unsinkbaren DDR-Ruderboot gern auf einem See bei Schwerin fuhr. Er schaffte es also spätestens im Alter, der zu werden, der er war. Das gelingt nicht allen.

Am Dienstagabend starb Bednarz daheim im Kreis der Familie. Das Dorf, in dem er zuletzt die meiste Zeit verbrachte, liegt rund 70 Kilometer von Lübeck entfernt, wo tags zuvor Günter Grass starb. Bednarz wurde 72 Jahre alt.

© SZ vom 16.04.2015/cag
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