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Zum Finale von "The Voice of Germany":Lob für ausgeschiedene Kandidaten

Und tatsächlich treffen hier auch mal alte Bekannte aufeinander: Verdutzt stellte Xavier Naidoo nach dem Auftritt von US-Songwriter Butch Williams fest, dass er mit dieser Stimme ja schon zusammen gearbeitet hat. War es Zufall, dass sein alter Bekannter als Kandidat antrat? Mag sein. Aber selbst, wenn nicht: Am Ende zählt der Unterhaltungswert. Und der ist aufgrund des musikalischen Niveaus sehr hoch.

Castingshow 'The Voice of Germany'

Die "Waldorf-Schule unter den Casting-Shows": Die Kandidatinnen Sharron Levy (links) und Kim Sanders (rechts) posieren nach ihrem Auftritt bei "The Voice of Germany" mit der Jurorin Nena (Mitte). 

(Foto: dapd)

Aber im Fernsehen zählt nun mal auch die Optik - und wenn schon die Jury die Kandidaten anfangs nicht sahen, die Zuschauer konnten sie durchaus wahrnehmen. Man muss zugeben: Viele entsprachen keinen Schönheitsidealen, wirkten unscheinbar oder gar schrullig. Aber sie wurden ernstgenommen - aufgrund ihres musikalischen Könnens.

Natürlich kullern auch bei "The Voice" schon mal kameratauglich die Tränen. Aber eben nicht in derart hohem Maß, wie wir es bislang gewohnt waren. Auch auf die künstlich ausgedehnten Jury-Verkündungen à la "Germany's Next Topmodel", in die gleich mehrere Werbespots gepresst werden, verzichtet "The Voice". Vielmehr hörte man offenes Lob, sogar für ausgeschiedene Kandidaten.

Xavier Naidoo etwa beschied Mic Donet, sein noch unveröffentlichtes Album sei "Grammy-würdig". Wo gibt's denn sowas? Und Nena herzt ihren Schützling Kim Sanders so sehr, dass beide auf den Bühnenboden fallen. Auch wenn all das Teil einer ausgetüftelten PR-Strategie sein mag: Warum nicht mal schöne Gefühle zeigen? Als Zuschauer freut man sich mit den Kandidaten - und die Taktik geht auf.

Auch was die Coaches betrifft: Gewöhnlich finden sich hinter dem Jury-Pult von Casting-Shows solche C- bis F-Promis, die seit kürzerer oder längerer Zeit in Vergessenheit geraten sind und sich dringend wieder ins Gespräch bringen wollen. Welche Qualifikation brachte noch mal Sylvie van der Vaart für den Platz in der DSDS-Jury mit? Richtig: Fußballer-Ehefrau. Die Coaches bei "The Voice" hingegen sind wahrhaft qualifiziert, weil sie alle eines sind: Musiker. Und damit das, was sie befähigt, die Kandidaten anzuleiten.

Außerdem - und das ist in der TV-Trash-Welt nicht zu vergessen - sind es Künstler, von deren Privatleben man kaum in den Klatschspalten liest und von denen man aus diesem Grund auch nicht erwartet hätte, dass sie in einer Casting-Jury sitzen.

Aber Rea Garvey, Nena, The Boss Hoss und Xavier Naidoo haben augenscheinlich Interesse daran, mit jungen Talenten zu arbeiten. Und das nimmt man ihnen auch ab. "Bei Dieter Bohlen würden wir nicht sitzen", bekräftigten The Boss Hoss ihren Anspruch in einem Interview.

Neue Staffel schon im Herbst

Geht es hier also um konstruktive Kritik anstatt des niederträchtigen Bashings, das die Zuschauer inzwischen leid sind? Als "weiche Welle der Casting-Shows" tituliert Professor Pörksen Sendungen wie "The Voice of Germany", in denen es zunehmend menschelt und die ihren Erfolg Pörksen zufolge den vorangehenden "harten Rambo-Formaten" verdanken.

Statt unverhohlen mit gemeinen Worten unter der Gürtellinie um sich zu schlagen, vermitteln die Coaches hier überzeugend ihr Anliegen, mit den Kandidaten arbeiten und sie fördern zu wollen. "Man arbeitet hier daran, Leistung, Kompetenz und das Versprechen der Prominenz wieder in eine gesündere Balance zu bringen", konstatiert Professor Pörksen.

Keine schlechte Idee in Zeiten, in denen eine Krise der nächsten folgt - und man ruhig ein paar Erfolgsgeschichten vertragen kann. Dass es die Menschen gut mit einem - sprich: den Kandidaten - meinen. Wie viele dieses Bedürfnis regelmäßig bei "The Voice" befriedigen wollen, belegen die Quoten, die im Schnitt 25,3 Prozent der werberelevanten Zielgruppe erreichten und womit die Sendung auch Casting-Shows wie "Das Supertalent" knapp überholte.

Kein Wunder also, dass die Macher bereits eine zweite Staffel geplant haben. Schon im Herbst sollen die neuen Folgen anlaufen. Aber bitte, liebe Verantwortliche von "The Voice": Korrigiert bis dahin das stimmlose V eures Ansagers! Dann freuen wir uns auch ohne Einschränkung auf die Fortsetzung.

© sueddeutsche.de/pak
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