Zukunft des ESC Seit dem Sieg von Lena im Jahr 2010 tendiert die NDR-Bilanz nur noch nach unten

Denn vor ziemlich genau einem Jahr, im Mai 2016, hatte Schreiber auch schon angekündigt, den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest zu reformieren. Der war damals ohnehin schon im Modus einer interessanten Kehrtwende.

Ursprünglich hatte man Ende 2015 beim NDR ja die selten weltentrückte Idee geboren, Xavier Naidoo für den ESC 2016 zu nominieren, der auch damals schon mit politisch irrlichternden Auftritten für Aufregung gesorgt hatte. Eine Entscheidung, die man nach heftigen Protesten zurücknehmen musste. Es wurde dann doch öffentlich abgestimmt.

Eurovision Song Contest Ja! Deutschland ist nicht Letzter
Eurovision Song Contest

Ja! Deutschland ist nicht Letzter

Wenn auch nur knapp, hat Levina beim ESC einen Minus-Hattrick vermieden. Angesichts des erneuten Debakels sollte es an der Zeit sein, über Rücktritte nachzudenken.   TV-Kritik von Hans Hoff

Fragt man am Montag noch einmal nach beim NDR und bei Thomas Schreiber, welche Konsequenzen man in Hamburg aus dem erneuten schlechten Abschneiden der deutschen Kandidatin ziehen werde, teilt man eher schmallippig mit: "Das geben wir zu gegebener Zeit bekannt."

Schreiber, der viele Jahre lang bei der ARD als Journalist tätig war, bevor er 2007 sein heutiges Amt übernahm, blickt auf eine ESC-Bilanz, die seit dem Sieg von Lena Meyer-Landrut im Jahre 2010 ziemlich beständig nach unten tendiert, auch bei den Quoten.

Am Samstag sahen nur noch 7,76 Millionen Zuschauer beim Finale im Ersten zu. Das sind ähnlich wenige wie im Katastrophenjahr 2009, als die ominöse deutsche Formation "Alex Swings Oscar Sings!" in Moskau auf Rang 20 landete, was einen Anruf bei Stefan Raab mit allseits bekannten Folgen nach sich zog.

ESC-Ausstieg ist keine Option

Raab aber, und das ist ein offenbar unlösbares Problem für Schreiber, hat sich erst aus dem ESC zurückgezogen und dann auch aus dem Fernsehen. Lediglich seine Firma produzierte den Vorentscheid für 2017.

Will man in Schreibers Interesse etwas Positives vermerken, dann muss man bilanzieren, dass er es war, der die Zusammenarbeit mit Raab in der ARD durchgesetzt hat und damit den Sieg von Lena ermöglichte. Jemandem, der so etwas hinbekommen hat, nimmt man es aber nun mal nicht so leicht ab, wenn er sich überrascht zeigt, dass ein Song wie "Perfect Life" so weit hinten landet.

Beim ESC auszusteigen ist Schreiber zufolge keine Option ("Aus Beleidigtsein entsteht selten sinnvolles Handeln"). Personell etwas zu ändern, auch nicht: "Die Redaktion bleibt unverändert." Möglicherweise muss man nun doch bei den Herzen der Menschen in Europa ansetzen.