Zukunft des ESC Hello again!

Beim NDR war man völlig überrascht über das schlechte Abschneiden. Aber hätte man es nicht vielleicht ahnen können?

(Foto: dpa)

Nach Levinas Misserfolg in Kiew will ARD-Koordinator Thomas Schreiber die deutsche Kür für den Eurovision Song Contest reformieren. Das Problem: Er sagt das nicht zum ersten Mal.

Von Hans Hoff

Nur wer nichts tut, macht keine Fehler. Fehler können passieren, man scheitert, und dann versucht man es wieder. Man muss dann nur beim nächsten Mal ein bisschen besser scheitern.

Letzteres haben jene, die beim NDR für den deutschen Beitrag zum Eurovision Song Contest (ESC) verantwortlich sind, immerhin hinbekommen. Deutschland ist in diesem Jahr Vorletzter geworden und nicht mehr wie 2015 und 2016 auf dem letzten Platz gelandet.

Der lustig gemeinte Dilettanten-Pop aus Spanien hat das Schlusslicht übernommen und Levina davor bewahrt, das Schicksal von Ann Sophie und Jamie-Lee aus den Vorjahren zu teilen.

Eurovision Song Contest

Was für ein Affentanz

Wer sich indes mit dieser leichten Verbesserung das nun schon Jahre andauernde Desaster der deutschen ESC-Beiträge schönreden möchte, kommt nicht weit.

Höchstens vielleicht beim NDR. Der zuständige Mann dort heißt Thomas Schreiber, er ist Programmleiter im Bereich Fiktion und Unterhaltung, gleichzeitig koordiniert er senderübergreifend all das, was die ARD als Unterhaltung klassifiziert.

Ein Blick in die deutschen Charts der vergangenen Monate hätte genügt

Das Lied habe die Herzen der Menschen in Europa nicht erreicht, sagte er nach dem Debakel am Samstag und zeigte sich überraschenderweise überrascht: "Das hatten wir nicht erwartet. Wir stellen uns dem Ergebnis und werden es analysieren."

Dabei hätte ein Blick in die deutschen Charts der vergangenen Monate genügt, wo der deutsche ESC-Beitrag nicht gerade für Furore sorgte. Auch die komplett statische Performance von Levina in Kiew hätte ein Showprofi möglicherweise schon im Vorfeld beanstandet.

Vielleicht müsste man sich sogar eingestehen, dass die deutschen Auftritte beim ESC in den vergangenen Jahren die Herzen gar nicht erreichen konnten, einfach deshalb, weil sie selber völlig herzlos waren.

Nach der Show in Kiew kündigte Thomas Schreiber gleich am Sonntag an, den Vorentscheid zu reformieren, was eine humoristische Pointe in sich hat, für die man im Archiv nicht weit recherchieren muss.