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Ziehung der Lottozahlen:"90 Sekunden können schrecklich lang sein"

Letzte Lotto-Live-Ziehung im TV

Am Samstag, den 29.06, werden die Lottozahlen zum letzten Mal live im Fernsehen gezogen. Danach ändert sich der Job von Lotto-Fee Franziska Reichenbacher.

(Foto: dpa)

Statt Kugeln steht da jetzt ein Touchscreen: 47 Jahre lang wurde die "Ziehung der Lottozahlen" live im Fernsehen übertragen, nun wird die Sendung geschrumpft. Lottofee Franziska Reichenbacher muss sich künftig kurz fassen, sehr kurz.

SZ.de: Frau Reichenbacher, am Samstag wird die Ziehung der Lottozahlen zum letzten Mal live im Fernsehen übertragen. Danach ist die Ziehung nur noch online unter Lotto.de live zu sehen. Im Fernsehen werden die Lotto-Zahlen nur noch verkündet. Was bedeutet das für Ihre Sendung?

Franziska Reichenbacher: Neu ist, dass die Lottozahlen vom 6. Juli an einen festen Sendeplatz haben, um 19:57 Uhr. Neben mir wird dann allerdings kein Ziehungsgerät mehr stehen. Dafür befindet sich hinter mir nun ein großer Touchscreen. Auf dem Bildschirm sieht man eine Animation mit weißen Kugeln und darauf erscheinen die Zahlen. Der größte Unterschied ist: Das Ziehungsgerät und ich müssen uns trennen.

Verändert sich dadurch etwas an dem Vorgang der Ziehung, entfällt das Ziehgerät nun ganz?

Nein, die Maschine gibt es immer noch. Das Ziehungsgerät steht jetzt allerdings in einem Studio in Saarbrücken. Etwa 30 Minuten bevor ich die Zahlen live verkünde, wurden sie in Saarbrücken gezogen. Dann werden sie nach Frankfurt geschickt, zum Hessischen Rundfunk.

Da die Ziehung nicht mehr live übertragen wird, ist die Sendung nun wesentlich kürzer - 90 Sekunden, anstatt fünf Minuten. Was verändert sich dadurch für sie als Moderatorin?

Auch 90 Sekunden können schrecklich lang sein, wenn sie nicht gut gemacht sind. Aber ich denke, wir haben ein gutes Konzept. Von Montag an wird jeden Tag geprobt. Während der Vorbereitung habe ich allerdings schon gemerkt, dass meine Rolle sich im Grunde nicht viel verändert. Die Sendung hat immer noch denselben dramaturgischen Bogen wie bisher: Am Anfang wünsche ich den Zuschauern Glück, am Ende versuche ich sie zu trösten und ihnen Hoffnung zu machen.

In dem alten Format haben sie immer wieder versucht, tagesaktuelle Themen in die Moderation einfließen zu lassen. Ist dafür jetzt noch Zeit?

Den journalistischen Zugang zur Sendung werde ich auch weiterhin beibehalten. Für mich besteht auch in dem neuen Format die Kunst darin, die Sendung jedes Mal neu zu gestalten, trotz ihrer Kürze. Bei 90 Sekunden ist das natürlich noch schwieriger als vorher. Mein Ansatz war immer, dass jede Sendung einmalig ist und sich - von der Moderation her - nicht wiederholen ließe. Daran werde ich mich auch in Zukunft orientieren.

Sie haben die Ziehung der Lottozahlen nun seit 15 Jahren moderiert. An welche Momente werden sie sich erinnern?

Schwer zu sagen, denn im Grunde ist die Sendung wie ein Präzisionsuhrwerk, das jeden Samstag gleich ablaufen muss und mit der Hilfe von vielen Mitarbeitern produziert wird. Weil die Gleichförmigkeit das Konzept der Sendung ist, gibt es keine besonders schönen oder traurigen Momente. Die Routine ist wichtig für den Zuschauer, denn sie transportiert Vertrauenswürdigkeit - aber wenn mir ein Text besonders gut gelungen ist, habe ich mich sehr gefreut. Außerdem werde ich das große Team vermissen, mit dem ich zusammengearbeitet habe.

Am nächsten Samstag werden die Lottozahlen zum erste Mal im neuen Format präsentiert. Wie blicken Sie in die Zukunft?

Ich denke, dass der Sender einen sehr guten Kompromiss gefunden hat. Jetzt werden die Zahlen an einem festen Termin gezeigt und wer die Ziehung sehen möchte, geht online. Auch wenn mir auf dem neuen Sendeplatz nur wenig Zeit bleibt, freue ich mich, die neue Sendung zu moderieren. An den Zahlen hängen Hoffnungen und Träume, und es ist richtig, dass sie weiterhin von einem Menschen moderiert und präsentiert werden, und nicht von einer Zahlentafel.