Zentralrat der Juden: Vorwurf Scharfe Kritik von Wolffsohn

Der kritisierte Chefredakteur reagierte am Montag äußerst ungehalten: "Ausgerechnet der Tagesspiegel!", empörte sich Casdorff. Sein Blatt sei vielfach ausgezeichnet für Berichte und Kommentare über und gegen Antisemitismus, Neonazis, Rechtsextremisten. Dafür vor allem stehe es - seit seiner Gründung.

Ähnlich äußerte sich Arnold Schölzel, Chefredakteur der "marxistisch orientierten" Jungen Welt. Kramers Vorwurf sei absurd. Sein Blatt versuche stets, viele Stimmen zu zitieren. Zugegeben, nicht gerade die der israelischen Regierung, die hätte andere Wege. Aber dafür linke Israelis und Menschenrechtler, "die sonst fast keine Stimme haben".

Kritik von Michael Wolffsohn

Versöhnlich zeigt sich, wie gesagt, nur die taz. Chefredakteurin Pohl sagt zwar auch, dass ihr Kramers Kritik missfalle. Keinesfalls sei ihre Zeitung antisemitisch. Die taz lasse lediglich "extreme, nicht extremistische" Meinungen zu. Sie würde darüber gerne mit Kramer diskutieren, "wenn er mich einlädt". Damit dürfte Pohl im Kreis der angegriffenen Chefredakteure eher allein dastehen.

Besonders scharfe Kritik an Kramers Medienschelte kam von Michael Wolffsohn. Der in Israel geborene und in München lehrende Historiker hat dem Zentralratsfunktionär schon früher vorgeworfen, zu schnell, zu unreflektiert von Antisemitismus zu sprechen- etwa als dieser Thilo Sarrazin als geistigen Nazi-Erben abstempeln wollte. Der SZ sagte er nun: "Einen solchen Rundumschlag kann keiner ernst nehmen." Dem Tagesspiegel ("durch und durch liberal") oder der FAZ ("hat Marcel Reich-Ranicki groß gemacht") antisemitische Reflexe vorzuwerfen, sei absurd. Wolffsohn: "Ich schäme mich als deutscher Jude, dass mich jemand, der so argumentiert, nach außen vertritt."