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Zeitungskrise:Durchhalte-Parolen

Ein Grund für die Misere ist auch, dass die Geschäfte der FTD mit wenig unternehmerischem Geschick betrieben wurden. Über die Einstellung wurde schon diskutiert, seit Ende 2007 der Joint-Venture-Partner nicht mehr wollte, die britische Pearson-Gruppe (Financial Times). Schließlich übernahm im Januar 2008 Gruner + Jahr nach langem Hin und Her das Blatt vollständig. Angeblich zahlten die Hamburger dem Partner aus London knapp acht Millionen Euro in bar und noch mal das selbe für die Nutzung der Namensrechte über zehn Jahre.

Die schlechten Zahlen der FTD haben stark auf die Erfolgsbilanzen von Kundrun und Buchholz gedrückt - trotzdem wurden immer Durchhalte-Parolen ausgegeben: "Das war ein Wunschkauf, kein Notkauf", behauptete im April 2008 Bernd Kundrun. Und: "Die FTD wird 2009 schwarze Zahlen schreiben. Schon jetzt sind wir hauchdünn unter der Oberfläche, bald tauchen wir auf."

"Unsere schlimmsten Vorstellungen sind übertroffen worden"

Doch aus dem Auftauchen wurde nichts, es wurde schlimmer. Im November 2008 kam dann die Zusammenlegung der vier Redaktionen der Wirtschaftstitel FTD, Capital, Impulse und Börse Online. "Synergien" hieß der Begriff für das, was in Wirklichkeit natürlich eine Sparrunde war. Rund 100 Stellen fielen weg - und die unterschiedlichen Redaktionen von Tageszeitung, Monats- und Anlegermagazin fanden nie wirklich zueinander. "Unsere schlimmsten Vorstellungen sind übertroffen worden", hieß es vor vier Jahren in der Redaktion. Auch danach wurden immer weiter Stellen abgebaut, die Verluste wurde trotzdem nicht geringer. Nach innen wuchsen die Zweifel, der Mutterkonzern Bertelsmann in Gütersloh wurde langsam nervös.

Tatsächlich gab es noch in den vergangenen Tagen zahlreiche Überlegungen und Ideen im Haus, die Marke FTD zu retten - zum Beispiel indem man sie im Netz weiterführt und nur noch zweimal die Woche gedruckt erscheinen lässt oder den Umfang auf zwei Bücher reduziert. Hierzu liegen wohl fertige Konzepte vor. Das hätte es dem Verlag jedenfalls erlaubt, den Prestige-Titel beizubehalten. Ob eine digitale FTD rentabel wäre, ist eine andere Frage.

Mit Flugblättern gegen die Einstellung

Vorgelegt wurden die am Mittwoch im Aufsichtsrat diskutierten Maßnahmen nun vom aktuellen Vorstand, zu dem neben Torsten-Jörn Klein (Ausland) und Achim Twardy (Finanzen, Recht und Personal), seit einigen Wochen Julia Jäkel, 40, für das Deutschlandgeschäft gehört. Ihre Karriere im Verlag begann bei Gala - und der Financial Times Deutschland.

Die Redaktion der FTD, die noch in dieser Woche mit einem Flugblatt des Betriebsrats und einer Unterschriftenaktion gegen eine Einstellung ankämpfte, veröffentlichte an diesem Mittwoch auf ihrer Homepage eine Meldung in eigener Sache: "Die Financial Times Deutschland steht vor der Einstellung", hieß es da resigniert - und dass man sich für die vielen Leserbriefe zum Thema bedanke. Man warte jetzt in der Redaktion auf die Entscheidung der Verlagsführung.

Gute Nachrichten hatte am Baumwall ohnehin keiner mehr erwartet.

© SZ vom 22.11.2012/pak/fzg
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