Zeitschriftenmarkt Erfolgsrezept

Schon wieder hat ein pfiffiger Verleger ein Heft für den Thermomix erfunden. Die Kochmaschine sorgt für den wahrscheinlich größten Zeitschriftenboom seit dem Erfolg von "Landlust" und ernährt längst nicht mehr nur Automatenköche.

Von bernd graff

Für alle, die sich mit modischen Teilchenbeschleunigern in der Küche jetzt nicht gaaaaanz so dolle auskennen, mag Mein Thermo die grammatisch verhunzte Kurzform von "meine Thermosflasche" sein. Das ist ganz und gar verzeihlich, aber mit den Behältnissen für Warmflüssigkeiten hat diese Kurzform rein gar nichts zu tun. Hier ist sie der Titel einer, soll man sagen, modernen Fachzeitschrift, die mit dem "Thermomix" beschäftigt. Also mit dem derzeit sehr angesagten Zusammenrührwunder, das so souverän und supersmart die heimische Nahrungskette bereichern soll, dass es mal eben so beim Teigkneten auch eine bemannte Mars-Mission samt Rückflug steuern könnte.

Doch reicht das Glück über diese selbstständige Maschine bei ihren stolzen Besitzern allein nicht hin, sie wollen neben dem Nährreichen auch das "Food for Brain", die Anregung zum Gedankenschmalz, was derzeit den wahrscheinlich größten Zeitschriftenboom seit dem Erfolg von Landlust mit sich bringt. Seit ein paar Monaten stenografieren pfiffige Verleger all das mit, was die Maschine sowieso tut. Neben Mein Thermo gibt es etwa auch Mixx aus dem HEEL-Verlag, Schlank & Fit mit dem Thermomix, Einfach Backen mit dem Thermomix, Einfach Kochen mit dem Thermomix von der OZ-Gruppe; natürlich bespukt auch irgendwer den märchenhaften Mein Zaubertopf aus dem Verlagshaus Falkemedia. Offizieller Partner der Herstellerfirma ist Gruner + Jahr, der Essen und Trinken mit dem Thermomix herausgibt. Jetzt kommt laut Meedia noch ein Titel dazu: Gemixt von Rolf Wickmann, dem Sohn des ehemaligen G+J-Zeitschriftenvorstands.

Erfolgsrezept all dieser Hefte, in denen Köche dem automatischen Gelingen ihres Breis beiwohnen, ist die freudige Gemeinschaft in einer Community. Das bekannteste Küchengerät des Landes ernährt nicht mehr nur unzählige Automatenköche, sondern auch Verleger.