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Zeichentrickserie:Wer ist Pu der Bär?

Szene aus der South Park-Folge „Band in China“.

(Foto: Screenshot via SouthPark.cc.com)

"South Park" beleidigt China, wird daraufhin zensiert - und entschuldigt sich doppelbödig. Klar wird: Staatschef Xi Jinping besitzt nicht die geringste Ähnlichkeit mit Pu dem Bären.

Um Missverständnissen vorzubeugen: der chinesische Staatspräsident Xi Jinping besitzt nicht die geringste Ähnlichkeit mit Pu dem Bären, der immer einen kleinen Mundvoll nehmen will. Pu der Bär ist zwar persona non grata in China, aber das hat gar nichts damit zu tun, dass er für manche wie ein Zwilling Xis aussieht. Weitere Vergleiche erübrigen sich durch die staatliche Zensur. Als Daryl Morey, Vorstandschef der Basketballmannschaft Houston Rockets, per Twitter seine Sympathie für die Demonstranten in Hongkong zeigte, gab es schlimme Prügel aus dem Land, dessen Staatspräsident entgegen anderslautenden Gerüchten keinerlei Ähnlichkeit mit Pu dem Bären zeigt. Übertragungen wurden abgesagt, Sponsorendeals gekündigt.

Zum Glück nahm die amerikanische National Basketball Association (NBA) auf der Stelle den Mund voll und entschuldigte sich mit geradezu chinesischer Höflichkeit: "Wir sind tief enttäuscht über die unangemessene Bemerkung von Daryl Morey. Er hat die Gefühle der chinesischen Basketballfans gravierend verletzt." Nur böswillige Zeitgenossen würden hier von einer Zerknirschungsgeste sprechen.

Auch in der Zeichentrickserie South Park wurde nachdrücklich betont, dass Xi Jinping nicht die entfernteste Ähnlichkeit mit Pu dem Bären zeigt, auch wenn die Figur Randy bei einem Aufenthalt in China ein Arbeitslager besucht und dort besagten Bären antrifft, der bei näherer Betrachtung eine überraschende Ähnlichkeit mit Xi Jinping aufweist.

In der Folge Band in China, die vergangene Woche lief, soll ein Film über die South-Park-Gang gedreht werden. Der Produzent stellt Forderungen, die den Film für das Land, dessen Chef allem anderen, aber gewiss nicht Pu dem Bären ähnlich sieht, akzeptabel machen sollen: Der Dalai Lama darf nicht erwähnt werden, Tibet, Organtransplantationen, Homosexualität - alles tabu. Die Jungs ermannen sich plötzlich und wollen sich die Kunstfreiheit nicht mit der Aussicht auf den chinesischen Markt abhandeln lassen. South Park gibt es seit 22 Jahren, die Serie wird auch in China gesehen, aber seit wenigen Tagen ist sie dort so gründlich verschwunden, als hätte es sie nie gegeben; offenbar ist auch jede noch so kleine Anspielung in jedem Diskussionsforum sorgfältig gelöscht worden.

Tief betrübt haben sich die beiden Serienerfinder Trey Parker und Matt Stone deshalb zu einem beispiellosen Kotau entschlossen und über Twitter verkündet: "Wie die NBA heißen wir die chinesischen Zensoren in unseren Häusern und Herzen willkommen. Auch wir lieben das Geld mehr als Freiheit und Demokratie."

Und damit jeder versteht, wie ernst es ihnen ist, nahmen sie noch einen kleinen Mundvoll und setzten die Versicherung hinzu: "Xi hat nicht die geringste Ähnlichkeit mit Pu dem Bären."