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ZDF-Talk zu Globalisierungsverlierern:Gabriel weigert sich, den Illner-Talk mit einer Knallermeldung zu retten

Sigmar Gabriel Bundeswirtschaftsminister SPD Deutschland Berlin ZDF Polit Talk Maybrit Illner

Erneut umschiffte Sigmar Gabriel die Anwort auf die K-Frage

(Foto: imago/Metodi Popow)

Niemand brüllt, alle dürfen ausreden - das ist das Positive am Illner-Talk zum Thema Globalisierungsverlierer. Der Rest ist ein substanzloser Galopp durch den Problemgarten.

"Keine Sendung ohne diese Frage", sagt Sigmar Gabriel und versucht so etwas wie ein Stöhnen in seine Stimme zu legen. Das gelingt ihm nicht sehr überzeugend, denn er hat an diesem Donnerstagabend offenbar Kreide gefressen, um vor allem staatstragend daherzukommen und nicht durch seine berüchtigte Unbeherrschtheit aufzufallen.

Deshalb kann ihn auch die absehbare Frage von Maybrit Illner nicht schocken. Natürlich will die wissen, ob er denn jetzt Kanzlerkandidat wird oder nicht. So etwas fragt man natürlich als Moderatorin, wenn man schon mal den Bundeswirtschaftsminister und SPD-Vorsitzenden zu Gast hat.

Vielleicht hat Illner ganz kurz gehofft, dass sie aus ihrer Diskussionsrunde wenigstens mit einer Knallermeldung aussteigen kann. Gabriel macht's. Das wäre doch eine Schlagzeile, die alle vergessen ließe, dass die Plauderrunde, die gerade absolviert wurde, eine eher müde war. Aber Gabriel schweigt eisern.

"Wir haben ein ziemlich großes Rad gedreht", sagt deshalb die Gastgeberin zum Abschied und versucht damit den Umstand zu bemänteln, dass sie 66 Minuten lang weitgehend wahllos von Thema zu Thema gehoppelt ist und sich dem angekündigten Problembereich nur gelegentlich mal genähert hat.

"Gewinne steigen, Jobs verschwinden - wer kümmert sich um die Verlierer?", lautete die Frage, die über der ZDF-Talkshow schwebte, was vorsichtshalber mal so schwammig formuliert war, dass man unter solch eine Schlagzeilenfrage notfalls auch die Erörterung von Bundesligabegegnungen hätte packen können.

Immerhin geht es zivilisiert zu

Bezeichnend für die Substanz dieser Show steht Illners Frage an einen Diskussionsteilnehmer. "Schauen auch Sie mit einem sorgenvollen Auge in die Zukunft?", will sie zwischendrin wissen. Was für eine Frage. Genauso gut hätte sie fragen können, ob jemand gegen schlechtes Wetter ist, wenn er ein Picknick geplant hat.

Wollte man partout etwas Positives über diese Gesprächsrunde sagen, könnte man anmerken, dass es höchst zivilisiert zuging. Niemand brüllte, und die meiste Zeit konnte jeder gepflegt ausreden. Mit fünf Diskussionsteilnehmern am Tisch galoppierte Illner quer durch den angrenzenden Problemgarten.

Sie thematisierte kurz den SPD-Niedergang, ließ den Sinn von Hartz 4 erörtern, den VW Skandal streifen, überhöhte Boni anprangern, Elektromobilität fordern und Leiharbeiter bedauern. Für jeden etwas dabei, und am Ende der Chose hatte jeder etwas gesagt, aber niemand wirklich etwas Substantielles beigetragen.