ZDF-Show mit Wigald Boning:"Alle sind einen Stuhl weitergerutscht"

"Kühe haben beste Freunde"g

Ob Schlangen auch beste Freunde haben? Wigald Boning mit ZDF-Kollegin Andrea Kiewel.

(Foto: ZDF / Frank W. Hempel)

Früher blödelte er in "RTL Samstag Nacht", heute vermittelt Wigald Boning mit "Kühe haben beste Freunde" Wissen im ZDF. Ein Gespräch über die Funktionsweisen im TV-Business, Ausdauersport und die FDP.

Von Matthias Kohlmaier

Er war festes Mitglied des RTL Samstag Nacht-Ensembles, sang sich mit Partner Olli Dittrich als Die Doofen an die Spitze der Charts, veröffentlichte in Buchform die "Bekenntnisse eines Nachtsportlers" und hat sich mittlerweile auf unterhaltsames Erklärfernsehen spezialisiert: Wigald Boning, von Beruf Alleskönner. Nun präsentiert er im ZDF die Wissenschaftssendung Kühe haben beste Freunde und füllt damit an drei Freitagen die Sommerpause der heute Show.

Nebenbei probt Boning in Berlin für seine erste Theaterrolle im Stück "Die Selbstanzeige" (das französische Original von Francis Veber hat Dieter Hallervorden ins Deutsche übersetzt) und bleibt dem Ausdauersport treu. Mitte Juli schwamm er am Stück durch den Bodensee - in sieben Stunden und 24 Minuten.

SZ.de: Herr Boning, haben Sie sich schon von Ihrer sportlichen Großleistung erholt?

Wigald Boning: Das Schöne beim Schwimmen ist ja, dass die Regenerationszeiten so angenehm kurz sind. Ich bin also schon wieder voll im Training. Da passt es gut, dass meine Proben für "Die Selbstanzeige" im Schlosspark Theater derzeit erst um elf Uhr beginnen. So kann ich vormittags die Berliner Badegewässer abschwimmen.

Wie kam es denn zur Idee, den Bodensee zu durchschwimmen?

Die Breitenquerung des Bodensees scheint derzeit unter Ausdauersportlern irgendwie "in" zu sei. Ich dachte mir: Zwölf Kilometer, das schaff ich doch auf der linken Pobacke! Zugegebenermaßen habe ich die Strapazen des Freiwasserschwimmens mit dem Kampf gegen die Strömung et cetera aber unterschätzt und bin sehr froh, dass alles gutgegangen ist.

Neben der Karriere als Hobbyathlet haben Sie ja auch noch eine Karriere beim Fernsehen, wo sie sich beim ZDF mal wieder der Wissenschaft widmen. Was erwartet den Zuschauer bei Ihrem neuen Format Kühe haben beste Freunde?

Die Grundidee ist einfach: Ich stehe mit drei Prominenten an einem Tisch und wir rätseln über bestimmte Fragen, wie zum Beispiel, ob Kühe beste Freunde haben, und wenn ja, warum das so ist. Und dann gibt es meinen Assistenten Christoph Drösser, der das Ganze in kleinen Experimenten oder mit kurzen Einspielern auflöst.

Klingt nach einer neuen Version Ihrer Sat-1-Show Clever! - Die Show, die Wissen schafft, nur ohne Moderatorin Barbara Eligmann.

Wie so oft in unserer Branche ist es ein bisschen wie bei "Reise nach Jerusalem": Alle sind einen Stuhl weitergerutscht. Christoph Drösser gibt in der neuen Show den Erklärer, ich moderiere.

Während das neue Projekt startet, ist mittlerweile klar, dass Ihre ZDF-Show Nicht nachmachen! eingestellt wird. Hatten Sie genug davon, gemeinsam mit Bernhard Hoëcker ein Haus auf verschiedenste Arten zu zerstören?

Man muss sich vor Augen führen, dass das norwegische Original nur sechs Folgen hatte. Wir haben für das ZDF sogar zwei Staffeln produziert, damit ist das Format nun schlicht auserzählt. Ich bin eigentlich ganz zufrieden, dass man nicht - wie so oft im deutschen Fernsehen - den Gaul reitet, bis er irgendwann umfällt, sondern einen klaren Schnitt macht.

ZDF, RTL und FDP

Sie sind binnen kurzer Zeit mit dem dritten Format im ZDF zu sehen. Bekannt geworden sind Sie aber seinerzeit mit RTL Samstag Nacht und Clever! bei den Privaten. Sind Sie dem Privatfernsehen entwachsen?

Gute Frage. Durch Nicht nachmachen! haben ein paar Verantwortliche beim ZDF und ich festgestellt, dass wir offensichtlich ganz ähnlich ticken. Daraus haben sich dann weitere Projekte ergeben. Man arbeitet ja nicht mit einem Sender zusammen, sondern mit bestimmten Redaktionen.

Dann anders: Haben sich nun die Öffentlich-Rechtlichen verändert oder haben Sie sich verändert, damit das mit der Zusammenarbeit klappt?

Ach, dieser Schritt von privat zu öffentlich-rechtlich war früher mal ein großer, heute geht das viel entspannter vonstatten. Zwischen den Unternehmenskulturen - auch wenn ich mich immer noch scheue, einen öffentlich-rechtlichen Sender als Unternehmen zu bezeichnen - gibt es kaum Unterschiede. Davon abgesehen, ist Privatfernsehen ja auch nicht gleich Privatfernsehen, RTL nicht gleich Sat 1.

Mit Kühe haben beste Freunde sind Sie erneut in einer wissenschaftlichen Unterhaltungssendung zu sehen. Haben Sie keine Lust mehr auf Comedy à la RTL Samstag Nacht?

So eine richtige Comedy mit Einspielern und Live-Sketchen kann ich mir eigentlich nicht mehr vorstellen. Etwas Fiktionales in Form einer Serie wäre eine Variante, da habe ich noch recht wenig Erfahrung. Aber mit Sketch-Comedy wie in RTL Samstag Nacht bin ich durch, das war in den 90er Jahren vielleicht eine kleine Überdosis.

Wenn Sie völlig freie Hand hätten: Welches TV-Konzept würden Sie gerne umsetzen?

Ich hätte irrsinnig Lust auf so eine Art Fernsehmuseum: die größten Flops der Fernsehgeschichte, da könnte man auch gleich ein paar Sachen von mir reinpacken wie zum Beispiel die Pro Sieben Morningshow. Es gibt auch so viele großartige und sofort wieder abgesetzte Sendungen allein in der Geschichte des ZDF. Es wurde tatsächlich mal eine Skatsendung im deutschen Fernsehen produziert - da will man doch sehen, wie das damals aussah.

"Zu selbstreferenziell", könnte ein Gegenargument von Senderseite sein.

Das war schon in den 90ern immer ein Negativargument. Aber schauen Sie sich doch mal Pastewka auf Sat 1 an. Das ist eine absolut selbstreferenzielle Serie und trotzdem großartiges Fernsehen.

Herr Boning, vielen Dank für das Gespräch. Wobei: Eine Frage hätte ich noch.

Ich bin gespannt.

Sind Sie immer noch FDP-Mitglied?

Natürlich, gewisse Prägungen wird man einfach nicht los. Es gibt ja keinen Grund, jetzt auszutreten. Ich wüsste auch gar nicht, ob noch irgendwer übrig ist, der solche Austrittsanträge bearbeiten könnte.

Kühe haben beste Freunde, ZDF, 22:30 Uhr

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