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ZDF-Serie "Klimawechsel":Feminismus und Humor

Man kann mit ihr formidabel über Problemzonen plaudern: Als erste Frau bekam sie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen eine eigene Satireshow (Nachtschwester Kroymann), 1997 musste sie trotz guter Quoten Sabine Christiansen weichen. Christiansen sei immerhin eine Frau, hatte man ihr damals gesagt, seien sie doch zufrieden. "Klimawechsel schließt da an, wo Nachtschwester Kroymann aufgehört hat", sagt Kroymann. "Diesen Humor hat es seither im deutschen Fernsehen nicht mehr gegeben."

Sie empfindet das so, man kann das sicher auch anders sehen. Jedenfalls sind bei Klimawechsel Frauen Urheber und Empfänger der Scherze. Klimawechsel macht Witze über Binden, Blutungen und die Vagina. Kroymann sagt: "Die Position dessen, der die Witze macht, ist eigentlich die des Intellektuellen. Die darf man nicht aus der Hand geben. Das haben wir Frauen viel zu spät gelernt."

Feminismus und Humor geht tatsächlich gut zusammen, auch wenn bestimmt viele abschalten, viele nicht einschalten und viele klagen werden: Muss denn das sein? Dass sich Frauen derart bloßstellen. Tun doch sonst die Männer. Eben drum, findet Kroymann. "Wir müssen uns gnadenlos parodieren und verarschen. Jede Minderheit muss für die Kritik an sich selber sorgen."

Die Häme-Klage kennt sie noch von früher, von ihren Bühnenprogrammen und Kabarettsendungen, als ihr, der Feministin, gerade von Feministinnen Frauenfeindlichkeit vorgeworfen wurde. Trotzdem empfindet sie wenig Mitleid mit den ewig Solidaritätsbetroffenen. Sie beugt sich zum Aufnahmegerät, spricht mit Nachrichtensprecherstimme, laut und superdeutlich: "Leute! Es ist sonst nicht komisch. Das lähmt ja, wenn wir auch weiterhin das Geschlecht sein wollen, das immer für das Menschliche zuständig ist. Das nie gemein ist, nie ungerecht, nie selbstgerecht."

In Klimawechsel (produziert von Constantin-Film) spielt Maren Kroymann die Garstigste von allen. Botox-Spritzen sind Standard, einer Konkurrentin näht sie die Vagina zu, und Silikoneinlagen in unterschiedlichen Körbchengrößen dekorieren ihren Schreibtisch wie Schnittblumen. Als die moppelige Angelika einen Tipp zum Abnehmen will, spitzt die Doktorin erfreut den Mund: Ja, da gäbe es ein neues Medikament. Es wirke schnell und gut, mache aber traurig. "In den USA haben sich schon einige umgebracht. Dafür waren sie aber alle schlank."

Mathe-Domina Beate

Die Wechseljahre vollziehen sich in der Serie immer wieder im Lehrerzimmer eines Gymnasiums. Schon die Berufswahl der vier Hauptdarstellerinnen zeigt, wie präzise Dörrie und Stadler geschrieben haben. Nirgendwo wirken ältere Menschen älter als vor Schülern. Unter den Hormonschüben leiden sie alle gleich, die Pubertierenden und die Klimawechsler. Vier Lehrerinnen also, die unterschiedliche Fächer unterrichten und unterschiedliche Problemlösungsstrategien verfolgen. Zum Ausweinen lassen sie sich beim Therapeuten (wunderbar interpretiert von August Zirner) oder bei der Frauenärztin Termine geben.

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