ZDFAls Johann Wadephul sein neues Büro bekam

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Am Tag der Amtsübergabe führt die ehemalige Außenministerin Annalena Baerbock den neuen Außenminister Johann Wadephul durchs Auswärtige Amt.
Am Tag der Amtsübergabe führt die ehemalige Außenministerin Annalena Baerbock den neuen Außenminister Johann Wadephul durchs Auswärtige Amt. Jens Grumpelt/ZDF
  • Das ZDF zeigt ab Dienstag eine vierteilige Dokumentation über deutsche Diplomaten, die ein Jahr lang bei ihrer Arbeit begleitet wurden.
  • Die Serie begleitet Außenminister Johann Wadephul und Mitarbeiter des Auswärtigen Amts in Deutschland aber auch in andere Regionen, wie etwa USA, Syrien und Ukraine.
  • Die Dokumentation zeigt sowohl diplomatische Herausforderungen als auch den Alltag der über 13.600 Beschäftigten des Auswärtigen Amts weltweit.
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Eine vierteilige Doku zeigt den Alltag deutscher Diplomatinnen und Diplomaten – zwischen Krisen, Protokoll und Privatleben. Ein seltener, sehenswerter Einblick.

Von Sina-Maria Schweikle

Die Welt scheint aus den Fugen geraten zu sein: Machtpolitik verdrängt zunehmend diplomatische Vernunft, internationale Regeln verlieren an Bedeutung, und das Völkerrecht wirkt brüchiger denn je. Unter US‑Präsident Donald Trump hat das Prinzip des Stärkeren neue Konjunktur erhalten. Und die Diplomatie? Sie ringt darum, Gespräche offenzuhalten, Beziehungen zu pflegen und Spannungen zu entschärfen. Doch wie lässt sich mit dieser rasant veränderten Weltordnung umgehen?

Zum 75‑jährigen Bestehen der Wiedergründung des Auswärtigen Amts veröffentlicht das ZDF an diesem Dienstag eine vierteilige Dokureihe, die einen seltenen Einblick in die Welt der Diplomatie gewährt. In jeweils rund vierzig Minuten begleitet die Kamera nicht nur den Chefdiplomaten Johann Wadephul (CDU), sondern die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Auswärtigen Amts.

Dass hinter all dem ein gewaltiger Apparat steht, macht die Reihe ebenso deutlich. Schließlich beschäftigt das Auswärtige Amt mehr als 13 600 Menschen, rund 3100 arbeiten in der Berliner Zentrale, mehr als 3200 an den 225 deutschen Auslandsvertretungen weltweit. Das ZDF versucht gar nicht erst, dieses komplexe System vollständig abzubilden, sondern konzentriert sich dabei auf einzelne Personen. So erscheint die sonst so abstrakte Institution nahbar.

Wo Außenpolitik zur Geduldsprobe wird

Ein Jahr lang konnten die Macher Mitarbeitende des Auswärtigen Amts begleiten. Die Dokumentation nimmt sich Zeit für die Herausforderungen der Diplomatie in einer Welt, die sich permanent verändert. Und schon in den ersten Minuten landet das Publikum mitten in einem der wohl größten Spannungsfelder deutscher Außenpolitik: den transatlantischen Beziehungen unter US‑Präsident Trump. Nicht zufällig trägt die erste Folge den Titel „Zerreißproben“. Sie begleitet Jens Hanefeld, der seit Sommer 2025 Botschafter in den USA ist. In New York trifft er den deutschen Außenminister bei der UN‑Vollversammlung. „Wie sind Ihre ersten Tage verlaufen?“, fragt Wadephul. „Lebhaft, wenn ich das so sagen darf“, antwortet Hanefeld mit einem Lächeln. Das Heikle wird nicht vor, sondern hinter den Türen verhandelt.

Die Reihe führt auch nach Syrien, wo der Sonderbeauftragte Stefan Schneck nach dem Sturz des Diktators Baschar al-Assad damit beschäftigt ist, die deutsche Botschaft wieder aufzubauen und schließlich zu eröffnen. Im Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amts begleitet die Kamera Leiterin Manja Kliese. Die Folge blickt auf den zwölftägigen Krieg zwischen Israel und Iran im vergangenen Jahr zurück und streift dabei die neuen Herausforderungen seit dem jüngsten Kriegsausbruch zwischen Israel, den USA und Iran. Das zeigt das einzige Problem der Dokuserie: Sie könnte morgen schon von den Weltereignissen überholt werden.

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Was sie jedoch schon zeigt, ist, wie vielschichtig diplomatische Arbeit ist. So pflanzt in Fidschi Botschafter Andreas Prothmann ein Pflänzchen, um ein Zeichen gegen den Klimawandel zu setzen, in Singapur gerät eine Delegationsreise ins Stocken, weil die Übersetzung nicht funktioniert. In Berlin übergibt Annalena Baerbock ihr Büro an Nachfolger Johann Wadephul. „Also dann – herzlich willkommen. Das Schild wird in einer Stunde ausgetauscht“, sagt sie vor der Tür. Und in Ruanda rückt das Familienleben der Diplomatin Muriel Bösing mit ihrem Mann und drei Kindern in den Fokus. Denn wer dem Auswärtigen Amt angehört, zieht meist im Rhythmus weniger Jahre weiter – nimmt Partner, Kinder und Alltag immer wieder mit in ein neues Land.

Die Dokumentation unter Regie von Fabian Herriger und Marisa Uphoff zeigt unaufgeregt, dass Diplomatie nicht nur aus Verhandlungen auf höchster Ebene besteht, sondern auch aus Symbolen, Pannenmanagement und politischer Beobachtung. Die Serie liefert mehr als nur einen Blick hinter die Kulissen: Sie ist auch ein Porträt eines Berufs, der für die Öffentlichkeit oft unsichtbar bleibt und doch eine zentrale Rolle in einer zunehmend unruhigen Welt spielt.

Die Diplomaten, ab 24. März in der ZDF-Mediathek.

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