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ZDF-Samstagabendshow:"30 Opfer in einer verrückten, tierischen Nacht"

Einmal läuft in Duisburg ein Dinosaurier durch die Zuschauerreihen, und die erste Assoziation ist nicht Angst, sondern der Gedanke, dass zu seiner Zeit so eine Show bestimmt mal ein Hit war.

Aber dann gehört der Dino nur zum Beitrag von ZDF-Fernsehkoch Nelson Müller, der am Ende von den Zuschauern als bester Filmlieferant gekürt werden wird. In seinem Film erschreckt Müller Ahnungslose, denen er aus einer Tiefkühltruhe entgegenspringt oder denen er nachts einen als Riesenspinne verkleideten Hund in den Weg schickt. Als einziger hat Müller verstanden, worauf es bei guten Versteckte-Kamera-Filmen ankommt. Schneller Schreck, schneller Gag.

"30 Opfer in einer verrückten, tierischen Nacht", jubelt er am Ende seines Beitrags, bei dem es vor allem Frauen sind, die sich in einsamen Gängen oder düster ausgeleuchteten Tiefgaragen zu Tode erschrecken. Als problematisch hätte man bei solch einem Film die an sich komplett überflüssige geografische Verortung einschätzen können, aber sehr offensichtlich fand man es beim ZDF eine tolle Idee, ohne zwingenden Grund immer wieder per Dom-Einblendung darauf hinzuweisen, dass der ganze Horror sich in Köln abspielt. Das bringt den einzig halbwegs kritischen Kommentar aus der Jury ein, denn die sonst um eine knackige Derbheit selten verlegene Komikerin Carolin Kebekus beurteilt den Beitrag zurückhaltend als "Sehr, sehr schön, aber auch sehr asi."

Selbst für die Jugend ist was dabei

Weniger asi sind die restlichen sieben Filme, die ein bisschen wirken, als wären sie für eine vom Sender lange vernachlässigte Zielgruppe entstanden. Man kann dementsprechend erstaunlich finden, wie viel Geld das ZDF an einem Samstagabend für ein Programm ausgibt, das man, abgesehen von Müllers Beitrag, problemlos auch im Kinderprogramm hätte versenden können.

Selbst für die Jugend ist was dabei. Oder besser gesagt: Soll was dabei sein. Irgendwann schießt Gätjen ein gestelltes Foto, auf dem angeblich zu sehen ist, wie Schweighöfer von seinem Kollegen Florian David Fitz eine gelangt bekommt. Das lädt er bei Twitter hoch und liest nach zehn Minuten ein paar Tweets vor. Deutlicher kann man der Netzkultur draußen nicht klar machen, dass man keinerlei Ahnung hat, wie sie tickt.

Dass der Zuschauer schließlich aus der Show dann doch noch was lernen kann, verdankt er einigen eher unfreiwilligen Nebensätzen, die wohl aus Schludrigkeit hineingeraten und dann dringeblieben sind.

Zum einen ist da die Anmerkung Schweighöfers zu nennen, dass das ZDF-Team seines Beitrags mit der Bitte an ihn herangetreten sei, seine Verlade-Aktion zu wiederholen, weil der überraschte Florian David Fitz bei der Ursprungsaktion zu wenig Reaktion gezeigt habe. Das habe er natürlich abgelehnt, sagt Schweighöfer, lenkt aber damit die Aufmerksamkeit auf die Frage, wie das ZDF mit der Überraschung in Überraschungsfilmen sonst so umgeht.

Den anderen großen Moment liefert Ralf Möller, der am Beginn seines Einspielers die Jungs von Boss Hoss ganz herzlich begrüßt, mit ihnen vertraut plaudert, nach Plänen fragt und so weiter. Als sie zur Tür heraus sind, will er dann von einer Frau wissen, wer die beiden eigentlich gewesen seien und offenbart damit einen Grundsatz aus der Showbranche: Immer erst einmal zu jedem sehr freundlich sein und so tun als ob. Auch wenn man von nichts eine Ahnung hat.

Für diese beiden Momente hat sich Die versteckte Kamera 2016 gelohnt. Für alles andere nicht.

© SZ.de/mkoh
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