"The Drag and Us" bei ZDF Neo:Fremdscham und Gummibrust

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(Foto: Steffen Mackert)

Man könnte die ZDF-Neo-Sitcom "The Drag and Us" als missratenes Experiment abstempeln. Aber es ist schlimmer.

Von Dennis Müller

Auf dem Regiepult eines Sitcom-Produzenten stellt man sich drei Knöpfe vor: einen fürs Gelächter, einen für den Applaus und einen fürs rührselige "Ohhh". Im Fall der neuen ZDF-Neo-Serie The Drag and Us fehlt: ein Fremdschamknopf. Die Serie über die Drag Queen Cathérine (Ralph Kinkel), die sich in der Wohnung einer alleinerziehenden Mutter und ihrer beiden Söhne einnistet, scheitert beim beflissenen Versuch, Queerness ins TV zu bringen.

Hinter Cathérine steckt Christian, dem das Drehbuch die unangenehme Aufgabe aufhalst, als lauter und verstörend versexter Wirbelwind durch das Leben der dreiköpfigen Familie zu fegen. Das Klischee des sexsüchtigen Schwulen ist voll erfüllt, obendrein der Irrglaube, Trans-Menschen würden Frauenklamotten tragen, um Heteromänner ins Bett zu tricksen, Gummibrüste und Minirock inklusive. Von den Beweggründen aber, warum sich Christian in eine Lady verwandelt, fehlt jede Spur.

The Drag and Us

Franziska (Paula Paul, l.) ist sicher, dass es besser ist, Cathérine (Ralph Kinkel, r.) erst mal zu verstecken.

(Foto: Walter Wehner/ZDF)

Auch dass sich Dragqueens, also Menschen mit Lust an exotischem Crossdressing und Show, von Personen unterscheiden, die sich falsch in ihrem Körper fühlen, ignoriert die Serie mit atemberaubender Konsequenz. Sie lässt Figuren Begriffe wie "Transe" und "Transvestit" begleitet von Sitcom-Gelächter durcheinanderwerfen, was für eine öffentlich-rechtliche Auftragsproduktion schon bemerkenswert ist. Am meisten Mitleid hat man mit der Figur des 17-jährigen Sohns Nikki (Frederic Balonier), der teils grob unter der Gürtellinie gegen Cathérine austeilen muss. Einem Jugendlichen eine solche Transfeindlichkeit anzudichten, ist ein klarer Fall für einen Fremdschamknopf.

© SZ/hert
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