"Wunderwelt Chemie" im ZDF:Die Chemie stimmt

Wunderwelt Chemie

Mai Thi Nguyen-Kim im Labor mit Comedian Michael Kessler als Antoine de Lavoisier.

(Foto: Maike Simon/ZDF)

Die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim erklärt in einer viel zu kurzen ZDF-Dokureihe, was die Welt zusammenhält.

Von Carolin Werthmann

Wenn es ruhig wird um die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim, kann man sich sicher sein, dass sich da gerade Großes zusammenbraut. Wie im vergangenen Jahr. Ihr Comeback nach der Elternzeit auf Youtube zur Corona-Hochphase katapultierte sie damals in den Klickquotenhimmel des Internets, brachte sie zu den Tagesthemen, bescherte ihr unzählige Preise, darunter das Bundesverdienstkreuz, erhöhte sie zu einer Person der Öffentlichkeit, bei der man sich fragte, ob es da noch irgendetwas gibt, was sie nicht erreichen könnte.

Das nächste große Ding nach einer etwas ruhigeren Zeit, die um die promovierte Chemikerin zuletzt herrschte, ist ihr Schritt zum ZDF. Wobei sie mit einem Fuß schon immer im öffentlich-rechtlichen Fernsehen stand. Ihr Youtube-Kanal "Mailab", der Nukleus ihrer Arbeit und die Quelle ihrer Karriere, ist eine Produktion von funk, dem jungen Webformat von ARD und ZDF. Seit Jahren erklärt sie dort in bunten Videos das, was die Welt im Innersten zusammenhält, die Chemie. Also irgendwie alles. Weil: Alles ist Chemie, sagt Mai Thi Nguyen-Kim.

Ähnliche Worte wie diese fallen jetzt auch in ihrer dreiteiligen Terra-X-Dokureihe im ZDF Wunderwelt Chemie. In gewohnter Vertrautheit spricht Nguyen-Kim da vor Weltallhintergrund und den Reihen und Spalten des Periodensystems zu den Zuschauern. Sie erklärt den Aufbau eines Atoms und das Ordnungsprinzip der Elemente, also das, womit früher meist ein grauer kleiner Mann in einem Saal, in dem es immer irgendwie nach Desinfektionsmittel roch, seine Schüler quälte.

Nguyen-Kim sprintet durch die Vergangenheit und stoppt bei den üblichen Verdächtigen der Wissenschaft

Abenteuermusik liegt über Nguyen-Kims Stimme, die in langsamerem Tempo als gewohnt spricht. Kaum verwunderlich, dass die Produzenten irgendwann auf die Idee kommen, den Harry-Potter-Soundtrack in die Tonspur zu mischen, passenderweise dann, als Nguyen-Kim beim Stein der Weisen angekommen ist und eine Zeitreise zu den Alchemisten des 17. Jahrhunderts unternimmt.

Nguyen-Kim sprintet durch die Vergangenheit und stoppt bei den üblichen Verdächtigen der Wissenschaft: Marie Curie und Mastermind Mendelejew. Unter anderem. Sie trifft auf den längst verstorbenen Apotheker Hennig Brand, unter dessen Dumbledore-Bart sich Comedian Michael Kessler verbirgt - und der später wiederkehrt als Barockperücke tragender Vater der modernen Chemie, Antoine de Lavoisier. In der Gegenwart spricht sie mit Astrophysikern, Biologen, sogenannten Wurzelarchitektinnen, alles interessante Menschen, denen man eigene Folgen widmen könnte.

Was bei diesem Anspruch auf Vollständigkeit allerdings verloren geht, ist die bekannte und beliebte Detailverliebtheit, für die man Nguyen-Kim so schätzt.

Toll wird es allerdings, wenn sich die Dokureihe entfernt von dem, was man schon weiß, hin zu dem, was gerade die Brennpunkthemen der Zeit sind: Nachhaltigkeit in der Modeindustrie und was Chemie damit zu tun hat (alles, versteht sich); klimagerechte Landwirtschaft und wie man von der Werkstoff- und Energieeffizienz der Natur lernen kann. So richtig los geht das erst ab Folge zwei. Und nach der dritten und letzten hätte man gern: mehr davon.

Terra X: Wunderwelt Chemie. Sonntag, 10., 17., 24. Oktober 2021, 19.30 Uhr. Alle Folgen verfügbar in der ZDF Mediathek.

© SZ/lawe
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