Bilder der Fußball-WM:Nicht anzusehen

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Bilder der Fußball-WM: Schöne Bilder? Die Fifa-Kameras sind für den Eindruck, den die Zuschauer bekommen, entscheidend.

Schöne Bilder? Die Fifa-Kameras sind für den Eindruck, den die Zuschauer bekommen, entscheidend.

(Foto: Adrian Dennis/AFP)

Während des Auftaktspiels der Fußball-WM in Katar leeren sich rasch die Ränge. Dem Fernsehpublikum werden die Bilder vorenthalten. Warum eigentlich?

Von Harald Hordych

Die Wahrheit liegt auf dem Platz, hat der deutsche Fußballtrainer Otto Rehhagel einmal gesagt. Der Satz hat in diesen Tagen an Bedeutung für jene Fußballfans gewonnen, die sich trotz der skandalösen Vergabe nicht dazu durchringen können, die WM in Katar zu ignorieren. Also klammern sie sich daran, dass alles Unschöne für die Spieldauer von 90 Minuten aus dem Gesichtsfeld verschwindet. Die Kameras im Auftrag der Fifa helfen dabei.

In Doha beim Eröffnungsspiel zwischen Katar und Ecuador wurden immer wieder Männer in wallenden weißen Gewändern gezeigt, feiernde Ecuadorianer und ein großer Block rhythmisch klatschender, mit T-Shirt-Uniform ausgestatteter Katar-Fans. Und als bemerkenswert schnell klar war, dass Katar dieses Spiel gegen das überlegene südamerikanische Team nicht gewinnen kann, verließen Teile des Publikums das ausverkaufte, 60 000 Plätze bietende Stadion beim Stand von 2:0 für Ecuador auffällig früh. Einerseits trieb der glanzlose Auftritt des Gastgebers, andererseits die Sorge vor dem langen Stau auf der Heimfahrt ins weit entfernte Zentrum die Menschen schon in der Halbzeit aus dem Stadion.

Mit ansehen musste sich das der Fernsehzuschauer nicht. Er konnte es höchstens hören, als ZDF-Kommentator Béla Réthy die sechs Millionen Zuschauer seines Senders über die Entleerung des Stadions in Kenntnis setzte. Irgendwann in der Mitte der zweiten Halbzeit stellte Réthy fest: "Das kriegen aber hier viele nicht mehr mit. Viele sind gegangen, das habe ich noch nie erlebt bei einer Weltmeisterschaft." Die Fotos von den leeren Rängen gehen in der Folge um die Welt, und ja, das dämpft dann doch das große Euphorie-Versprechen von Fifa-Präsident Gianni Infantino.

Die Frage, wieso denn dann nur Fernsehbilder von rappelvollen Blöcken mit siegestrunkenen Ecuadorianern und Jubel-Katarern gezeigt wurden, geht fehl, wenn sie ans ZDF gerichtet wird, das im Wechsel mit der ARD 48 Spiele aus dem gemeinsamen Sendezentrum in Mainz live überträgt. Beide öffentlich-rechtlichen Sender zeigen genau wie Magenta-TV und alle anderen Sender in mehr als 120 Ländern das sogenannte Weltbild. Das wiederum wird erstellt von der Schweizer Produktionsfirma HBS, die mit 42 Kameras im Stadion das Geschehen auf dem Rasen und auf den Rängen verfolgte. ARD, ZDF und Magenta-TV haben während der WM hauptsächlich auf diesen Live-Mitschnitt Zugriff. Nur bei den deutschen Spielen setzt das ZDF sieben zusätzliche eigene Kameras ein.

Auch bei allen Spielen der ersten und zweiten Bundesliga liefert ein sogenannter Host Broadcaster, die Sportcast GmbH, eine 100-prozentige Tochter der DFL, das Basissignal. HBS ist seit der WM 2002 Host Broadcaster aller Fifa-Weltmeisterschaften, das heißt, die Schweizer Firma schafft die technische Infrastruktur für die Übertragungen, die redaktionelle Hoheit über den Live-Mitschnitt liegt am Ende bei der Fifa. HBS wiederum ist eine 100-prozentige Tochter des Schweizer Sportmarketingunternehmens Infront, wo man bei Fragen zur Bildauswahl auf die Fifa verweist. Treten Lücken im Weltbild auf, kann ein ZDF-Sprecher nur feststellen: "Dass gestern beim Eröffnungsspiel viele Stadionbesucher vorzeitig gegangen sind, hatte Béla Réthy als Live-Kommentator des Spiels ja mehrfach angesprochen." Als ob es beim Fernsehen manchmal immer noch wie im Hörfunk zugeht.

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