bedeckt München 17°

ZDF legt Prüfbericht vor:"Interessen entflechten"

In der ZDF-Komödie "Meine Familie bringt mich um" soll ein großer deutscher Autohersteller besonders auffallen. Nun legt der Sender seinen Prüfbericht vor - und der Intendant lobt das interne Kontrollsystem.

Thomas Bellut, der Programmdirektor des ZDF, hatte schon vor der Bewertung durch die ZDF-Clearingstelle mitgeteilt: "Unser System funktioniert." Besser, auch für das ZDF, wäre: es würde gar nicht beansprucht. Gemeint ist ein internes Kontrollsystem, das beispielsweise Produktplatzierungen in TV-Filmen nachgeht, problematisiert oder nicht angemeldete Beistellungen sanktioniert. Das ZDF hat da eine Vergangenheit - und mit den strengeren Richtlinien eine Gegenwart.

meine familie bringt mich um

Der ZDF-Film "Meine Familie bringt mich um" sollen Autos eine auffällige Rolle spielen. Das Szenenfoto zeigt die Schauspieler Iris Berben und Ben Unterkofler. Berbens Sohn Oliver leitet die Firma Moovie, von der die Komödie stammt.

(Foto: ZDF/Stefan Erhard)

Bellut, 55, ist mit zwei Fällen befasst, die auf die Filmproduktionsfirma Moovie - the art of entertainment zurückfallen. Im Melodram Familiengeheimnisse, das mit fast acht Millionen Zuschauern am 9. Januar lief, ähnelte das Logo einer fiktiven Parfümlinie dem Logo der Gesichtspflege, für die Hauptdarstellerin Dennenesch Zoudé im richtigen Leben wirbt. Weder Zoudé noch ihr Ehemann, der für Familiengeheimnisse verantwortliche Regisseur Carlo Rola, wollen die Auffälligkeit bemerkt haben.

Seit Montag ist nach einer Focus-Anfrage auch die Moovie-Komödie Meine Familie bringt mich um ein Thema. Der Film wird am 31. Januar ausgestrahlt. Zu häufig ist darin ein VW-Modell zu sehen. Nun, an diesem Mittwoch, kam die Einschätzung der Clearingstelle, die der SZ vorliegt. Die Überprüfung ergab, heißt es, "dass eine Fahrzeugbeistellung enthalten war, die dem ZDF vom Produzenten nicht angezeigt wurde. Sie wurde entsprechend auch nicht genehmigt und überprüft. Beistellungsverträge dürfen nur vom ZDF geschlossen werden." Oliver Berben, 39, Geschäftsführer der Moovie (zählt zur Constantin AG), erklärte gegenüber dem ZDF, dass zwei Fahrzeuge unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden seien. "Dadurch", so die Clearingstelle, sei "eine Kostenentlastung von etwa 2100 Euro erzielt" worden.

Angesichts der Summe, um die es geht, ist wohl kaum davon auszugehen, dass sich das Unternehmen oder Personen bereichern wollten. Ein Verstoß liegt trotzdem vor. Produzent Berben räumt ein, "dass aufgrund eines internen Fehlers versäumt wurde, das ZDF zu informieren". Der Film, führt der Prüfbericht aus, sei nachbearbeitet worden. Betroffen war nicht nur der Fuhrpark, sondern auch "ein reales Drogerieprodukt, das an vier Stellen erkennbar" gewesen sei. Berben, der nun eine eigene Clearingstelle bei der Moovie einrichtet, spricht von einem Versehen. Er habe keine Kenntnis gehabt: "Für die unbeabsichtigte Nennung gab es keine Gegenleistung." Bis zur abschließenden Klärung wird ihm das ZDF keine Aufträge erteilen.

In der Sache Familiengeheimnisse löste Berben an diesem Mittwoch einen Grundkonflikt. Carlo Rola, der Regisseur des Films, ist wie Berben Gesellschafter der Moovie. Um eine "Verquickung von Produzenteninteressen mit den Interessen der Programmmacher auf Gesellschafterebene zu entflechten", so Berben, werde die Moovie Rolas Anteile übernehmen. Über eine künftige Zusammenarbeit mit Rola sei noch nicht befunden worden.

  • Themen in diesem Artikel: