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ZDF-Satire "#heuldoch":Alle Machos werden müder

#heuldoch - Therapie wie noch nie

Der Macht-Spieß wird umgedreht: Gloria (Bärbel Schwarz) und Lin (Karin Hanczewski) geben sich als Therapeutinnen aus und drillen ihre männlichen Patienten im Dreck.

(Foto: ZDF und Felix von Boehm)

In der ZDF-Mini-Serie "#heuldoch - Therapie wie noch nie" rächen sich zwei Frauen an übergriffigen Männern. Das ist klug und unterhaltsam - meistens jedenfalls.

Von Fabian Dombrowski

Will man der "Me Too"-Thematik etwas Humorvolles abgewinnen, dann muss man verdammt lange suchen. Darum lässt das Genre jener neuen ZDF-Mini-Serie (fünf Folgen à 15 Minuten) aufhorchen, die um dieses Thema kreist: Eine Satire soll es sein über Sexismus und die Verhältnisse, in denen Sexismus gedeiht.

Um den moralischen Zeigefinger nicht so weit zu recken, hat man die Frauen in dieser Serie auch kriminell aufgeladen: Aus nur angedeuteten Gründen sind Gloria und Lin im Frauengefängnis gelandet und soeben daraus geflüchtet. Sie finden Unterschlupf in einem Landhaus, auf das sie zufällig stoßen, mitten in der Einöde Brandenburgs. Hausherrin ist die Verhaltenstherapeutin Dr. Charlotte Scharf, die beim Anblick der beiden mit Dachs- und Wildschweinmasken getarnten Eindringlinge mit letalen Folgen aus dem Bett fällt.

Kurz nach dem Unfall erscheint allerdings eine Gruppe Therapiebedürftiger: ein Filmproduzent, ein Fußballspieler, ein App-Entwickler, ein Gynäkologe. Sie alle sind überführte Sexualstraftäter, hier sind sie schablonenhaft gezeichnete Prototypen des übergriffigen Sexisten: Dick Pics, Empfänge im offenen Bademantel, solche Sachen. Für sehr viel Geld haben sie also eine mehrtägige Therapie bei Dr. Scharf gebucht, um vor Gericht mildere Urteile zu erwirken. Pervers sind nur die anderen.

Das feministische Knast-Duo Gloria und Lin erklärt sich - man hat es erwartet - kurzerhand zum Therapeutinnen-Team. In erster Linie, um an das Geld ihrer Patienten zu kommen, die eigene Flucht muss schließlich finanziert werden. In zweiter Linie dann aber, um sich an ihnen zu rächen - "im Namen aller Muschis", wie Gloria ausruft.

Und so finden sich die Möchtegern-Machos wieder bei militärischem Drill im Dreck, in Gesprächskreisen mit "Erzähl-Ei" und auf der "Suche nach ihrer inneren Frau". Wie Gloria und Lin in ihre neue Rolle als Therapiefeldwebel hineinwachsen, wie sie mit ihrer neuen Macht dann auch spielen, ist höchst amüsant, und ihrem Therapie-Theater zuzuschauen, macht tatsächlich Spaß. Das liegt nicht nur an der klugen Grundidee (Drehbuch: Viktoria So Hee Alz, Florian Frei; Regie: Isabell Šuba, Lilli Tautfest), sondern auch am formidablen Zusammenspiel des Ensembles, angeführt von Bärbel Schwarz und Karin Hanczewski. Bei den Männern sticht Karim Ben Mansur hervor, der den Kicker Kobe verkörpert.

Die anderen Männer-Figuren bleiben allerdings in der Karikatur ihrer Charaktere stecken, und manche Sätze wirken bisweilen schal und arg plakativ. "Ich dachte, 'Me Too' heißt: Ihr wollt alle nicht", sagt etwa der Filmproduzent Ralf (Nikolaus Kühn) immer noch erstaunt. "Sex ja, sexuelle Belästigung nein", bringt es Gloria dann auf den Punkt. Spätestens da wird der unterhaltsame Rollentausch auch ein wenig zur Kindergarten-Belehrung. Aber gut, bei manchen Männern muss man eben leider immer wieder ganz von vorne anfangen.

#heuldoch - Therapie wie noch nie. ZDF, in der Nacht zu Dienstag, 0.00 Uhr, und in der Mediathek.

© SZ/ebri/beg
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