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ZDF-Familienfilm:Im Kitsch versunken

Was im Leben zählt

Schmacht: Wotan Wilke Möhring und Petra Schmidt-Schaller als Paar.

(Foto: Marco Nagel/ZDF)

"Was im Leben zählt" mit Wotan Wilke-Möhring und Petra Schmidt-Schaller möchte alltägliche Geschichten erzählen. Aber nichts ist unalltäglicher als ein Happy End.

TV-Kritik von Jakob Wihgrab

Wotan Wilke Möhring und Petra Schmidt-Schaller waren mal ein Paar. Als Hamburger Tatort-Kommissare Falke und Lorenz war ihr Verhältnis aber nie nur rein dienstlich; reihenweise warfen sie sich leidenschaftliche Blicke zu. Wie Mulder und Scully. Ein ständiges Hin und Her. Werden Sie oder werden sie nicht? Sie wurden nicht. Nach sechs Folgen verließ Petra Schmidt-Schaller den Tatort.

Nun gibt es doch noch ein Happy End, im TV-Drama Was im Leben zählt, einer losen Fortsetzung des Erfolgsfilms Obendrüber, da schneit es von 2012. Anders als im Tatort sind die beiden hier schon ein Liebespaar. Knutschen wild rum und reden ständig drüber. Ihr Problem: Jazzsängerin Miriam (Schmidt-Schaller) ist immer noch verheiratet mit Jan (Max von Thun). Die Gemeinde von Pfarrer Gregor (Möhring) zwingt ihn prompt, sich zu trennen - oder Miriam von einer Scheidung zu überzeugen. Doch ist da noch Tochter Julchen.

Wie schon in Obendrüber, da schneit es wird episodisch erzählt. Die Bewohner eines Münchner Altbaus müssen mit ihren (all)täglichen Problemen zurechtkommen: Strohwitwer Achim (August Zirner) lässt seine Wohnung vermüllen, seine Frau hat in Indien zu sich selbst gefunden und macht keine Anstalten zurückzukommen. Gut, dass seine Kinder Reinigungskraft Lori (Nina Gummich) einstellen, die mit Staub aufwirbeln nicht ausgelastet ist.

Der griesgrämige Hausmeister Eberling (Fred Stillkrauth) kämpft derweil mit seiner Demenz, durch ein Missgeschick fackelt er beinahe das Haus ab. Der Brand bringt die Bewohner zusammen, die nun versprechen, seine Tochter Ingrid (Sylvana Krappatsch) zu unterstützen. Vor allem Michael (Thomas Loibl), denn der hat schon länger ein Auge auf Ingrid geworfen.

Vorhersehbar und klischeehaft

Das Problem an Was im Leben zählt ist, dass den Zuschauer die kleinen Katastrophen wie die großen Glücksmomente weitestgehend kaltlassen. Das liegt zum einen daran, dass diese so vorhersehbar wie klischeehaft sind, aber vor allem an den fast durchgängig hölzernen Dialogen (Buch: Astrid Ruppert). Ein sonst so überzeugender Wotan Wilke Möhring als Carpe-Diem-Yuppie-Priester trägt seine Glückskeks-philosophischen Zeilen vor, als würde sie ihm jemand ins Ohr sagen (Regie: Vivian Naefe). Nur selten gehen einem die Bilder nah, etwa wenn Hausmeister Eberling seine Alzheimer-Tabletten in einer Keksdose verstecken muss, damit niemand Verdacht schöpft.

Zu selten hält der Film, was der Titel verspricht: Was im Leben zählt reißt existenzielle Themen an, Krankheit, Liebe, Verlust. Versenkt sie aber im Kitsch. Er möchte alltägliche Geschichten erzählen. Dabei ist doch nichts unalltäglicher als ein Happy End. Das Glück als unabwendbare Konsequenz allen Seins. Der Film traut sich nicht, sein Publikum zu fordern, hat spürbar Angst, es zu verschrecken. Wie schrecklich.

Was im Leben zählt, ZDF, Mittwoch, 20.15 Uhr.

© SZ vom 06.09.2016/cag

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