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ZDF: Fall Brender:Intendant weiß nichts von IM "Schwarzfuß"

Falsch, maßlos, inakzeptabel: Im ZDF geht es hoch her. Intendant Schächter wendet sich gegen Noch-Chefredakteur Brender. Der hatte ein politisches Stasi-System geortet.

Vom Lerchenberg bei Mainz haben die Mitarbeiter des ZDF einen Rundumblick auf Rheinhessen und Rheingau. Doch am interessantesten ist dort derzeit, was in dem TV-Hochhaus selbst passiert.

Vorwurf Spitzelsystem: Kurz vor seinem Abschied als ZDF-Chefredakteur macht Nikolaus Brender sich bei seinen Kollegen unbeliebt.

(Foto: Foto: Getty)

Dort wird eine Soap-Opera wie im Werbe-Vorabendprogramm geboten. Zwei stehen gegeneinander: Der scheidende ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender und der Intendant Markus Schächter. Der Journalist hatte im Spiegel kräftig über politische Einflussnahmen beim ZDF und eine Art IM-Tätigkeit abgeledert - was den Senderchef wiederum bestürzt.

Schächter weist die Darstellungen Brenders über ein angeblich öffentlich-rechtliches Stasi-System als "in der Sache falsch und in der Form maßlos und inakzeptabel" zurück. Brender hatte wörtlich gesagt, es gebe im ZDF ein "Spitzelsystem" wie in der ehemaligen DDR, in dem "Redakteure den Parteien Senderinterna zutragen". Weiter sah er ein "feingesponnenes Netz von Abhängigkeiten". Schächters Intendanten-Vorgänger Dieter Stolte habe von "Häusleschleichern" gesprochen.

Er selbst habe mal den einen als IM "Rotkehlchen" oder den anderen als IM "Schwarzfuß" bezeichnet.

Aus seiner Enttäuschung über die Ablehnung seiner Vertragsverlängerung im ZDF-Verwaltungsrat dürfe Brender nicht die eigenen Redaktionskolleginnen und -kollegen in dieser Weise ohrfeigen und ihre Arbeit mit solchen Verdächtigungen belasten, sagte Schächter.

Der Intendant selbst hatte den 61-Jährigen zur Wiederwahl vorgeschlagen - und war damit bei der CDU, die den Verwaltungsrat dominiert, aufgelaufen. Insbesondere Roland Koch blockierte die Arbeit des Chefredakteurs. "Das ZDF ist beschädigt", befand Brender.

Die ZDF-Redaktionen seien unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Einflüsterungen, erwidert Schächter. Wer etwas anderes behaupte, müsse dies belegen und abstellen - wenn er wie Brender in den vergangenen zehn Jahren in der Verantwortung stehe.

Der ZDF-Verwaltungsrat hatte mit seiner Unions-Mehrheit im November eine Verlängerung des Vertrages von Brender abgelehnt. Er wird am 1. April vom bisherigen Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Peter Frey abgelöst.

Brender selbst zeigt sich erleichtert, "dass es jetzt zu Ende geht". Es gebe in der Union ein "dunkles Schattenreich", das sich im ZDF-Verwaltungsrat eingenistet habe.

Damit erntet er zum Abschied noch einmal viel Protest. Der CDU-Obmann im Kultur- und Medienausschuss des Bundestages, Marco Wanderwitz, sagte: "Was auch immer vorgefallen ist: So geht man als scheidender Chefredakteur mit seinem Sender nicht um." Es wäre auch die Frage zu stellen, ob "so eine Form von Rufschädigung Konsequenzen für die Pensionszahlungen hat. Der Verwaltungsrat sollte jetzt die Verträge prüfen".

Verständnis für Brender kam von den Grünen. Ihre Partei zählte nicht zu jenen, denen Interna aus dem ZDF zugetragen würden, sagte Fraktionschefin Renate Künast. Zuträger, wie Brender sie beschreibe, gehörten aber zu einem System, in dem die Regierenden Einfluss auf den Sender nähmen.

Das funktioniere nur so, "dass von drinnen Mitarbeiter sehr schnell Nachrichten rausgeben, damit die Einflussnahme von außen stattfinden kann", glaubt sie. Künast verwies auf die geplante Klage der Grünen gegen den ZDF-Staatsvertrag vor dem Bundesverfassungsgericht. Bei den noch fehlenden zwölf Stimmen hoffen die Grünen auf die SPD.

Diesem Gremium sitzt der SPD-Politiker Kurt Beck vor - und der bezeichnete diese Forderung des CDU.Manns Wanderwitz als überflüssig. Öffentliche Drohgebärden seien in dieser Frage nicht hilfreich. Allerdings seien die Äußerungen Brenders überzogen und zeichneten ein unzutreffendes Bild des Senders.

Und der Vorsitzende der SPD-Medienkommission, Marc Jan Eumann, sagte, Brender müsse aufpassen - "dass er nicht wie Roland Koch dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk einen schweren Schaden zufügt".