Medienkolumne "Unser Beitrag":Liebesgrüße aus Peking

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Unser Beitrag
(Foto: Steffen Mackert)

ZDF nimmt Doku aus dem Programm: Die gefährliche Naivität der Öffentlich-Rechtlichen gegenüber TV-Material aus China.

Von Lea Sahay

Der Vorgang ist inzwischen erschreckend vertraut: Zunächst kündigt ZDF Info einen Doku-Mehrteiler zu China an. Die Produktion China vs. USA - Clash der Supermächte soll den Beziehungen zwischen den "Wirtschaftsmächten auf Kollisionskurs" nachspüren. Sie wird als Highlight zum Geburtstag des Senders gefeiert, der mit dem Versprechen von "echtem Info-Mehrwert" wirbt. Doch dann löscht der Sender die Produktion aus seiner Mediathek, wie zuerst die Teleschau berichtete. Auch die Wiederholungen im linearen Programm werden gestrichen.

Wieder muss eine Rundfunkanstalt eine China-Produktion löschen, die zum Teil auf Material der Staatspropaganda zurückgreift oder von staatlichen Produktionsfirmen produziert wurde. Während die Debatte über den Einfluss der Kommunistischen Partei auf offene Gesellschaften im vollen Gange ist, scheinen die Verantwortlichen in den Sendern weder in der Lage zu sein, die Angriffe abzuwehren, noch überhaupt das Problem wirklich zu erkennen.

Schlimmer noch. In einem Statement erklärt die ZDF-Info-Redaktion, nicht ausreichend beachtet zu haben, dass die in Lizenz erworbene Doku-Serie aus einem Land stamme, in dem "kritischer Journalismus nur einen untergeordneten Stellenwert" hat. Peking könnte es nicht besser formulieren: Journalisten, die sich unabhängig mit dem Land auseinandersetzen, werden als nicht objektiv diffamiert, als "kritisch" und "antichinesisch". Wie gefährlich die Stimmungsmache ist, zeigte sich zuletzt in den Übergriffen gegen den deutschen Journalisten Mathias Bölinger, der während seiner Berichterstattung über die Überschwemmungen in der Stadt Zhengzhou bedroht und verfolgt wurde.

China besser zu verstehen, ist wichtig wie nie. Gleichzeitig beschränkt die KP den Zugang zu Informationen gezielt: Heimische Journalisten können nicht mehr unabhängig berichten. Die Zahl der Korrespondenten ist derweil niedrig wie nie, neue Visa werden kaum noch erteilt. Bei Recherchen werden sie behindert und bedroht, Gesprächspartner eingeschüchtert.

Anstatt auf Propagandamaterial zusetzen, sollten Redaktionen in dieser Lage die eigene Expertise stärken. Die KP versucht der Welt ihre Sicht aufzudrücken. In den öffentlich finanzierten Rundfunkanstalten hat sie damit schockierend großen Erfolg.

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