"Young Sheldon" bei ProSieben Die Show ist ihm wichtiger als der Star

Er fiel als Autor auf, weil seine Drehbücher jene düstere Trübsal enthielten, wegen der Roseanne als eine der faszinierendsten Serien der Geschichte gilt. Roseanne übrigens, das aber wirklich nur am Rande, wird im März ohne Lorre neu aufgelegt. Lorre bekam nach seinem Abschied dort die Gelegenheit, eigene Projekte zu entwickeln, bemerkte aber schnell zwei Probleme dieser Branche: Selbst die Leute, die an Serien arbeiteten, nahmen das Fernsehen nicht besonders ernst - und die Stars nahmen sich bei Erfolg schnell wichtiger als die Show.

Wer Lorre bei der Arbeit beobachtet, der bemerkt: Er lacht oft und sehr laut, sehr häufig aber sitzt er vor einem Monitor und beobachtet eine Szene, so wie ein Schachspieler die Entwicklung einer Partie verfolgt. Er achtet aufmerksam auf die Reaktionen des Publikums (The Big Bang Theory wird vor Zuschauern gedreht, Young Sheldon nicht) und nimmt dem Protagonisten schon mal einen überdurchschnittlich witzigen Satz weg, wenn er glaubt, dass eine andere Figur etwas noch Lustigeres sagen könnte. Wenn die Zuschauer dann lachen, dann weiß Lorre: Hab' ich euch!

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Die Show ist wichtiger als der Star. Diese Einstellung gefällt nicht jedem Star, und Lorre hat sich deshalb mit einigen überworfen, mit Brett Butler bei Grace Under Fire, mit Cybill Shepherd bei Cybill und natürlich mit Charlie Sheen bei Two and a Half Men.

Der beste Tipp für eine erfolgreiche Karriere ist neben der beruflichen Variante zu Henny Youngmans Sketch ("Finde heraus, was du nicht kannst - und dann mach' das halt nicht") der unvergessene Ratschlag von Bruce Springsteen: "Betrachte das, was du tust, als die wichtigste Sache der Welt. Sei dir aber bewusst, dass es andere nicht für die wichtigste Sache der Welt halten." Die Serien von Lorre sind deshalb komisch, weil Lorre ernst nimmt, was er da tut. Für ihn ist es nicht nur Fernsehen. Es ist viel mehr. Das zeigt sich auch bei den "Vanity Cards", die Lorre anstatt eines Firmenlogos nach vielen Episoden veröffentlicht. Es sind kleine Notizen, oftmals belanglos, sehr häufig auch nachdenklich und wütend, bisweilen auch böse Spitzen gegen Donald Trump: "Terroristen und Diktatoren besiegen? Er hat ja nicht mal gegen Two and a Half Men gewonnen."

Young Sheldon soll keine Wohlfühlserie sein, sondern, natürlich, viel mehr. "Die einzige Verbindung zu The Big Bang Theory ist die Stimme von Jim Parsons als Erzähler", sagt Lorre. Sie lehnt sich eher an andere Coming-of-Age-Serien wie Wunderbare Jahre oder Malcolm mittendrin an, die ersten Episoden deuten an, dass sich Komik und Tragik abwechseln und eine Studie über eine faszinierende Zeit im Leben eines faszinierenden Menschen ergeben könnten.

"Man muss als Autor die Figuren ernst nehmen und gern haben - und sie sich entwickeln lassen", sagt Lorre: "Wer etwa Cheers guckt, der will in dieser Bar mit Cliff und Norm sitzen. Auch wenn sie alle irgendwie Verlierer sind, helfen sie sich gegenseitig. Man möchte als Zuschauer Teil dieser Gemeinschaft sein." Wer durch den Schauplatz von Young Sheldon wandert, durch die Bibliothek und das Klassenzimmer, wer Sheldon-Darsteller Iain Armitage dabei erwischt, wie er mit seiner TV-Schwester Raegan Revord feixt; wer die ersten Folgen guckt, der wird von seiner Erinnerung angestupst. Weißt du noch, damals: Kindheit, Schule, Freunde, Bruder. Traurig, lustig. Hach!

Da hat er uns mal wieder, dieser Chuck Lorre.

Young Sheldon, Pro Sieben, montags, 20.45 Uhr.

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