W&V: Karl Lagerfeld in der Marketing-Branche Immer mehr Lagerfeld

Karl Lagerfeld macht nicht nur Mode. Er wirbt für alles Mögliche, von der Cola-Flasche bis zum Fernseh-Abo. Und es wird immer mehr.

Von Rolf Schröter

Der Mann ist eine Welt für sich. Rund 90 Prozent seiner Körperoberfläche sind mit markenrelevanten Attributen bedeckt: Die Autofahrerhandschuhe zum schwarzen Anzug, dunkle Sonnenbrille und weißer Stehkragen - beide in kontinentalen Ausmaßen und nicht zuletzt die weiß gepuderte Frisur, die im wohl bekanntesten Pferdeschwanz der Welt mündet. Aber erst gemeinsam bilden diese Attribute Karl Lagerfeld, eine Welt-Marke, die im 77. Jahr ihres Bestehens so zugkräftig und überraschend vielseitig ist wie nie zuvor.

Modeschöpfer Karl Lagerfeld ist längst eine Welt-Marke für sich. Doch nicht nur Mode entwirft der Grandseigneur - er wirbt auch für den Abonnement-Sender Sky.

(Foto: Sky)

Als Modeschöpfer und kreativer Tausendsassa arbeitet der gebürtige Hamburger für die Marken Lagerfeld, Fendi, Chanel und Hogan und entwarf unter anderem Klamotten für H&M, Klunker für Swarovski und Teddys für Steiff. Aber wie groß Karl Lagerfeld als Projektionsfläche für Werbung über alle Branchen hinweg ist, erstaunt doch: Der Mann wirbt aktuell für Golf-Sondermodelle von Volkswagen, den Abonnement-Sender Sky und den Haarpflegespezialisten Schwarzkopf aus dem Hause Henkel. Er steht für die Marke Coca-Cola light, fotografiert für den Playboy und dreht für Unilevers Eis-Marke Magnum.

Am 21. April hat eine dreiteilige Kurzfilm-Serie auf dem Tribeca Filmfestival in New York Premiere. Sie wird die Marke Magnum in den US-amerikanischen Markt einführen. Und in Frankreich ist man so begeistert von Lagerfelds amüsantem Auftritt für die VW-Golfs, dass sich das französische Volkswagen-Management entschieden hat, den gleichen TV-Spot auch jenseits des Rheins zu zeigen. Deshalb muss Lagerfeld seinen Werbetext jetzt nochmal sprechen, diesmal auf französisch. Außerdem soll die Kampagne in noch folgenden Spots weitererzählt werden.

Wundern muss man sich über den internationalen, interkulturellen und branchenübergreifenden Erfolg des Altmeisters nicht, denn Lagerfeld zieht immer. Alle Werbepartner des Universalgenies äußern nur Lob, und zwar nicht nur über die Werbewirkung, sondern auch über die professionelle Zusammenarbeit mit dem Workaholic.

Dabei gelten doch gerade Pariser Edelschneider als ganz besonders zickige Lebewesen. Und hört man die leicht nölige, bis in einen arroganten Tonfall changierende Stimme des Meisters, kann man sich kaum vorstellen, dass er ein angenehmer Arbeitskollege sein könnte. Das zeigen auch die Umfragewerte des Münchner Marktforschungsinsituts Imas. Zwar erkennen 90 Prozent der Bevölkerung Karl Lagerfeld auf den ersten Blick. Aber nur elf Prozent finden ihn "sehr sympathisch"; hingegen 29 Prozent "nicht sympathisch".

Na und? Dafür ist der Mann aber einfach authentisch. Dieses Attribut fällt immer, wenn Marketingmanager über den Grandseigneur sprechen. Karl Lagerfeld macht nicht nur Mode. Er hat eine eigene, in sich stimmige Marketing- Welt erschaffen, eine Welt namens Karl Lagerfeld.

Karl Lagerfeld als Marketing-Partner

Eine Welt namens Lagerfeld