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Wozu noch Journalismus? (2):Kunst der Zuspitzung

Will sagen: Soll der Journalismus zu neuer Blüte kommen, darf er sich nicht länger zurückpfeifen lassen. Gefragt ist die Kunst der Zuspitzung, die der Wahrheitsfindung dienlicher ist als jedes Kompromissgebrabbel. Und beendet werden muss das künstliche Gegeneinander der Vertriebskanäle Print, Radio/TV und des Internets. Es gilt, gemeinsame Standards für Inhalte und Qualität zu entwickeln. Standards, die von im Internet dilettierenden Laien-Bloggern, Leserreportern oder PR-Spezialisten nicht erfüllt werden können. So jedenfalls ließe sich die exponierte Stellung des Journalistenberufs verteidigen.

Wie erfolgreicher Journalismus immer besser werden kann, führt seit Monaten die "Seite 3" der Süddeutschen Zeitung vor, die dank des Engagements ihrer Redakteure und Reporter von Woche zu Woche neuen Höhepunkten entgegeneilt. Sie liefert zudem den Beweis, dass Print dem Internet immer überlegen sein wird. Wenn dann auch noch Haltung hinzukommt, und ich meine das ausdrücklich nicht ideologisch, dann ist mir um unsere Zukunft nicht bange - egal, auf welchen Kanälen wir Triumphe feiern.

Ohne Journalismus keine Demokratie

Unsere Zunft hat in den vergangenen Jahrzehnten manche Krise durch großartige Leistungen überstanden. Gefördert und veranstaltet durch kreative Verlage und mutige Verleger, aber erarbeitet vor allem von denen, die den Medien erst den Glanz verliehen, den Reportern, den Autoren, den Redakteuren. Ohne sie kein Journalismus und ohne Journalismus keine Aufklärung und ohne Aufklärung keine Demokratie. So einfach und so pathetisch ist die Formel.

Insoweit war für mich die Gründung des Deutschen Reporterpreises eine Ermutigung, auf dem schwierigen Weg, den der Journalismus noch vor sich hat, will er nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken. Merke: Auch Eliten überleben nur durch Selbstvergewisserung.

Manfred Bissinger, Jahrgang 1940, war Geschäftsführer, Herausgeber und Chefredakteur der Wochenzeitung Die Woche, deren Erscheinen 2002 eingestellt wurde. Seither ist er Geschäftsführer Corporate Publishing beim Hoffmann und Campe Verlag.

© sueddeutsche.de/berr
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