"Hart aber fair" Anne Wizorek und Sybille Mattfeldt-Kloth polarisierten

Zustände wie in China? Orwell? Das klang dann doch wieder sehr nach dem Krawall der März-Sendung, zumal die Gegenpartei der Frauenrechtlerinnen, bestehend aus Anne Wizorek und Sybille Mattfeldt-Kloth, ebenfalls polarisierten: Sie sprachen Thomalla und Kelle pauschal den Sachverstand in der Frauenthematik ab.

Doch immerhin hatte Plasberg dieses Mal verinnerlicht, dass er kein Animateur sondern ein Therapeut zu sein hatte.

"Wenn Sie auf die Beschwerden reagiert haben, dass unseriöse Menschen zu der letzten Sendung eingeladen waren, dann frage ich mich, warum wir hier wieder sitzen", fragte Kubicki den Moderator hinterhältig, doch der nahm ihm liebenswürdig den Wind aus den Segeln: "Weil wir lieber mit Ihnen als über Sie reden."

Am Beifall war außerdem abzulesen, dass man ein Publikum auch ohne reißerische Parolen gewinnen kann, zuweilen sogar auch durch Nachdenklichkeit.

Schwierige Debatten

Ob die Debattenkultur leide, hänge seiner Meinung nach nicht an der Kompetenz der Gäste oder am Einfluss von Lobbygruppen, sagte Schönenborn: "Ich habe Frau Kelle bei einer Presseclub-Sendung kennengelernt, als es um das Erziehungsgeld ging, wo es für den Presseclub auch ungewöhnlich heiß herging." Er habe sich nach der Sendung gefragt, warum Debatten so schwierig seien, wenn persönliche Befindlichkeiten eingebracht würden.

"Wenn es ums Erziehungsgeld geht, ist jeder Kind oder ist Mutter, jeder ist betroffen. Doch wir müssen bei solchen Debatten lernen zu fragen: 'Was ist meine persönliche Befindlichkeit, und was betrifft alle?'

Für eine Sendung mit Therapiecharakter war das ein ausgesprochen guter Slogan, doch leider war Schönenborn kein echter Nachsitzer - er wurde nach der Hälfte der Sendung vom Moderator entlassen. Kelle hingegen musste wie die anderen Nachsitzer bleiben, was der Sendung nicht unbedingt guttat.

"Das ist auch eine Unterhaltungssendung"

Denn kaum war das alte Format (bereichert um Mattfeldt-Kloth) hergestellt, flogen erneut die Fetzen. "Was soll's, was war der Mehrwert von Frau Thomalla?", fragte Mattfeldt-Kloth provokativ, um festzustellen: "Das ist auch eine Unterhaltungssendung."

Thomalla, die weit weniger grimassierte als im März, bedingte sich wiederum als vermeintlich "doofe" Frau das Recht aus, "mich zu diesem Thema zu äußern".

Von Weinerlichkeit war viel die Rede, mehrfach fiel das Wort "albern", zwischen Feministinnen und Antifeministinnen ging es wild hin und her, die Diskutanten warfen sich offen gegenseitig Inkompetenz vor und stellten ansonsten häufiger mal unbelegte Tatsachenbehauptungen auf ("Frauen wollen gar nicht in führende Positionen").

Einzig Anton Hofreiter, der sich auffallend zurückhielt, wohl weil er merkte, dass die Debatte immer wieder neue Tiefpunkt erreichte, trug zur Versachlichung der Diskussion ab und zu bei.

Gehaltslücke immer noch groß

Dafür reichten ein paar Begriffserklärungen und trockene Zahlen aus: 4,4 Prozent der Posten in deutschen Vorständen seien durch Frauen besetzt, rechnete der Chef der Grünen-Fraktion im Bundestag vor. Die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen betrage noch immer 20 Prozent, bereinige man die Zahl um den Effekt, dass Frauen häufig schlechter bezahlte Berufe wählten, betrage der Abstand immer noch sieben Prozent.

Für einen therapeutischen Durchbruch reichte das nicht aus. Die Lehre für die ARD: Sendungen, die ohnehin bei Youtube zu sehen sind, in der Mediathek so lange stehen lassen wie vorgesehen. Und Gäste einladen, die jenseits eigener Befindlichkeiten darüber nachdenken, was alle angeht. Dann muss man auch keine Talkshows wiederholen.