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"Wetten, dass..?": ZDF nach Unfall entlastet:"450 Newtonmeter kann kein Wirbelgelenk aushalten"

Eine ZDF-Task-Force hat in Zusammenarbeit mit Samuel Kochs Vater eine Chronologie der Ereignisse verfasst, die im März 2010 beginnt. Damals hatte eine Agentur Wetten mit Samuel Koch als Power-Jumper angeboten. Es folgten Tests, E-Mails, Absprachen. Es geht in dem Bericht um die Sicherheitsvorkehrungen, abgelehnte Autos (zu hoch), Kochs Fitness, die ausreichend erschien. Niemand vom ZDF noch von Kochs Helfern habe die mögliche Schwere eines Unfalls in Betracht gezogen. Man habe im schlimmsten Fall mit Prellungen und Beinbrüchen gerechnet, nicht mit einem Genickbruch. Zehn Tage nach dem Unfall soll Samuel Koch seinem Vater gesagt haben, dass er sich sicher gefühlt habe.

Gert-Peter Brüggemann, Professor der Kölner Sporthochschule, hat den Unfall untersucht. Technische Mängel schließt er als Unfallursache aus. "Es muss die Situation des Absprungs als Ursache des Fehlverhaltens herangezogen werden", sagt er. Koch sei während des Saltos mit dem Kopf ans Autodach gestoßen. 60 Millisekunden habe die Berührung gedauert. Aufgrund eines Drehmoments von 450 Newtonmetern sei es zur Verletzung des siebten Halswirbelgelenks gekommen.

"450 Newtonmeter kann kein Wirbelgelenk aushalten", urteilt Biomechaniker Brüggemann. Er geht davon aus, dass Koch sofort ohnmächtig wurde und unkontrolliert stürzte. Dabei seien dann, weil der Helm auf der Bodenmatte nicht rutschen und so die Aufprallenergie in sich aufnehmen konnte, Verletzungen des ersten und zweiten Halswirbels entstanden. Einen Schädelbruch habe der Helm verhindert.

Der Unfall werde in der nächsten Wetten, dass..?-Sendung am 12. Februar (Halle/Saale) thematisiert, sagt ZDF-Manager Bellut. Thomas Gottschalk sei im Gespräch mit dem Vater und werde, wenn es die Umstände erlauben, Samuel Koch auch besuchen. Das ZDF werde ihn weiterhin betreuen, doch auch die Versicherungen seien nun gefragt. Für seinen Sender, so Bellut abschließend, sei die Sache nicht geklärt - auch wenn es jetzt Erklärungsversuche und Entlastungsargumente gebe: "Die Verantwortung liegt trotzdem bei uns."

© SZ vom 27.01.2011/berr

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