Drittes "Wetten, dass..?" mit Markus Lanz:Der Welpenschutz ist vorbei

Lesezeit: 4 min

Der Moderator konnte sich die ganze Sendung über nur schwer in Position bringen. Mal hängte er sich zu lange an Nebensächlichkeiten auf (dass Nena und Maria Furtwängler das gleiche oder zumindest ein ähnliches Kleid trugen: Wen stört's?), dann wiederholte er den für ihn ach so komischen Dialog zweier bayerischer Wettkandidaten ("Host du a Ahnung? I hob koa Ahnung.") in Endlosschleife.

Lanz' Welpenschutz ist in der nunmehr dritten Sendung endgültig vorbei und eines ist klar: Lanz ist ein Talker, kein Entertainer. Zu angestrengt will er sich bei den Couchgesprächen auf den jeweiligen Gast konzentrieren, wie er es in seiner Talkshow macht, und lässt sich nicht abwimmeln, auch wenn sein Gegenüber das noch so sehr wünscht. So war es Florian David Fitz (der, wie Lanz nicht müde wurde zu betonen, in seinem neuen Film Jesus spielt) sichtlich unangenehm, als der Gastgeber beharrlich nach einem Ausrutscher in seiner Jugend fragte. Nur geht es bei "Wetten, dass..?" nicht nur um die Gäste auf der Couch.

Spannende Wetten, platte Sprüche

Gut, dass da einige Wetten tatsächlich eine angenehme Abwechslung boten. Max Fabian, der eine Fußball-Torwand auf seinem Kinn balancierte, in die zwei Profikicker treffen mussten. Oder Guido Reiter, der aus dem Stand zehn Luftballons nacheinander in 2,50 Metern Höhe kaputt kickte, waren schon unterhaltsam.

Aber besonders beeindruckte der Wettsieger, ein Kajakverein aus Illingen. Zehn Kinder sollten eine 50-Meter-Schwimmbahn auf 25 umgedrehten Kajaks überqueren - in denen Mitglieder des Kajakclubs sitzen und eine Eskimorolle nach der anderen ins Wasser drehen. Die Wette gelang. Und auch Florian David Fitz hatte als Wettpate am Beckenrand Spaß - sichtlich mehr als auf Lanz' Couch. Karl Dalls Kommentar "eine der spannendsten Wetten der letzten 55 Jahre" war auch der einzige Gag, den der 71-Jährige landen konnte. Ansonsten ließ er nur platte Sprüche los.

Wenn Lanz, wie ursprünglich angekündigt, die Wetten wirklich mehr in den Vordergrund stellen und einmal mehr mit den Kandidaten und weniger mit den Stars plaudern würde, hätte "Wetten, dass..?" vielleicht noch eine Chance. Aber so hetzte der Moderator durchs Programm und schaffte es einfach nicht, dabei souverän zu sein. Ganz zu schweigen von der peinlichen Schlussnummer mit den Chippendales, zwischen denen Lanz und die TV-Köche Alfons Schuhbeck und Alexander Herrmann "die Hüllen fallen ließen".

Aus dem fantastischen Frauenabend wurde ein Abend, der alles andere als fantastisch war. Und schon gar kein Grund, "Wetten, dass..?" noch einmal anzuschauen. Die anderen haben das ähnlich gesehen: Nach 13,62 Millionen Zuschauern zur Premiere schauten diesmal nur 8,89 Millionen zu.

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