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Samuel Koch bei Peter Hahne:"Jeder Skiurlaub war riskanter als das Autogehüpfe"

Im ZDF-Interview mit Peter Hahne nimmt der verunglückte "Wetten, dass..?"-Kandidat Samuel Koch erstmals selbst Stellung zu seinem gefährlichen Autostunt. Und entschuldigt sich ernsthaft für die "unschönen Bilder", die er den Fernsehzuschauern bereitet habe.

Johanna Bruckner

Die Sendezeit ist schon fast um, da fallen im Gespräch zwischen ZDF-Talker Peter Hahne und dem verunglückten Wetten, dass..?-Kandidaten Samuel Koch die vielleicht bewegendsten Sätze des 27-minütigen Interviews. Es tue ihm leid, dass er für "unschöne Bilder" verantwortlich sei, die Kinder vor den Fernsehschirmen zum Weinen gebracht hätten, wendet sich der querschnittsgelähmte 23-Jährige an die Zuschauer. "Es tut mir leid, dass ich die Show kaputtgemacht habe."

Samuel Koch gibt erstes TV-Interview

Samuel Koch gibt erstes TV-Interview: "Es tut mir leid, dass ich die Show kaputt gemacht habe"

(Foto: dapd)

Ein halbes Jahr ist seit Kochs letztem Fernsehauftritt vergangen, jenem Wetten, dass..?-Abend im Dezember, an dem der junge Mann beim Versuch, Autos mit Sprungfederschuhen zu überspringen, so schwer stürzte, dass er seitdem an den Rollstuhl gefesselt ist. So wenig seine Rückkehr auf den Bildschirm bei Peter Hahne mit dem Gottschalk'schen Showspektakel zu tun hat, so wenig Ähnlichkeit hat der Samuel von heute noch mit dem unbekümmerten Sportler von damals.

Da sind die offensichtlichen, körperlichen Veränderungen: Der ehemalige Leistungsturner - im hellblauen Hemd und mit Dreitagebart - ist schmal geworden. Der Rumpf ist vollständig gelähmt, sein Nacken muss gestützt werden. Das eigene Spiegelbild sei auch für ihn selbst noch ungewohnt, erzählt Koch: "Ich erkenne mich so zum Teil selbst nicht wieder." Doch die Mimik - und für ihn noch viel wichtiger - der Kopf funktionieren. Der 23-Jährige spricht überlegt, weiß sich auszudrücken.

Gratwanderung zwischen Sensibilität und Sensationslust

Die Unterhaltung vor laufenden Kameras sei nach intensiven Telefonaten auf Initiative Kochs hin zustande gekommen, betont Moderator Hahne einleitend. Er sei für das Interview von Berlin in das schweizerische Nottwil nahe Luzern gereist, wo Koch seine Reha absolviert. Auch für Hahne ist dieses Gespräch vor der malerischen Kulisse des Sempachersees kein leichtes - doch in weiten Teilen gelingt dem erfahrenen Fernsehjournalisten die Gratwanderung zwischen Sensibilität und Sensationslust.

Denn natürlich ist dieses Exklusivinterview für das ZDF auch ein Coup: Ein Millionenpublikum wurde am 5. Dezember 2010 Zeuge des tragischen Unfalls - seitdem nimmt die Öffentlichkeit Anteil am Schicksal des verunglückten Wettkandidaten. Vor der Ausstrahlung der Aufzeichnung rührte der Sender deshalb fleißig die Werbetrommel, veröffentlichte Auszüge des Gesprächs und warb in sendereigenen Formaten wie Mona Lisa für den Sonntagstalk.

Auch der Gastgeber kann sich eine reklamige Einleitung nicht verkneifen: Als "Mann, auf dessen Worte Millionen gewartet haben" begrüßt Hahne seinen Gast. Erfreulicherweise überlässt er Koch dann aber tatsächlich weitgehend das Wort, nimmt sich selbst zurück. Eine angenehme Abwechslung zu manch anderem öffentlich-rechtlichen Talker.

Koch, der vor seinem Unfall in Hannover Schauspiel studierte, hat vor allem zwei Punkte auf seiner Gesprächsagenda: Er will sich für die große Anteilnahme bedanken - und persönlich Stellung beziehen zu den Vorwürfen, er habe seine Gesundheit mit der Wette leichtfertig auf Spiel gesetzt. "Jeder Skiurlaub war riskanter als das ganze Autogehüpfe", verteidigt er sich. Und ja, er würde die Wette unter den gleichen Voraussetzungen noch mal machen. "Wenn ich wüsste, was passiert, natürlich nicht - da wäre ich ja doof", fügt er mit einem ironischen Lächeln hinzu.

Der 23-Jährige verschweigt nicht, wie schwierig es für ihn als "Bewegungsmensch" ist, nun an den Rollstuhl gebunden, selbst beim Essen auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Doch sich "einweinen", das sei nicht sein Ding, so Koch. Er sei noch "weich gefallen", andere Patienten mit ähnlichen Lähmungserscheinungen müssten künstlich beatmet werden. "Man kann auf jedem Niveau klagen, aber auch glücklich sein."

Vermutlich verleitet die positive Einstellung Hahne dann zur Frage, ob ihm der Unfall neue Perspektiven eröffnet habe. "Eher nicht", lautet Kochs lakonische Antwort.

Ob er denn an Wunder glaube, fragt der Moderator. "Über Wunder spricht man nicht, da hofft man drauf", entgegnet sein Gast.

© sueddeutsche.de/lala/lala
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