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"Wetten, dass..?" aus Bremen:TV-gewordene "Bild der Frau"

Inwiefern eine Einladung zu "Wetten, dass..?" für den gemeinen Hollywood-Star eine Strafe darstellt, dazu hätte Tom Hanks wohl eine recht differenzierte Meinung, seit er vor einigen Sendungen eine Katzenmütze aufsetzen musste. Aber egal, es gibt schließlich immer einen neuen Kinofilm (Harrison Ford, Matthias Schweighöfer, Ruth Maria Kubitschek), ein neues Album (Cher, Helene Fischer), einen neuen Fernsehfilm (Anja Kling) oder ein auf einem Kinofilm basierendes Musical (Sylvester Stallone) zu bewerben.

Von den Promotionszwecken abgesehen, hätten all diese Herrschaften gewiss Stoff für einen interessanten Plausch hergegeben. Lanz entschied sich leider dafür, mit alten Leuten über alte Zeiten zu plaudern. Stallone erzählte aus seiner Schulzeit, Ford von "Indiana Jones" und Kubitschek sprach über Ruhe und Gelassenheit im Alter. Garniert mit dem Schwiegermama-Liebling Schweighöfer, der die Schwangerschaftsgerüchte um seine Freundin bestätigte und Helene Fischer, die sowieso jeder ganz toll findet, bleibt der Eindruck: "Wetten, dass..?" ist thematisch gesehen so etwas wie die TV-gewordene "Bild der Frau". Nur ohne Kreuzworträtsel.

Das vorwiegend ältere Publikum findet das vermutlich angenehm. Selbige Zuschauerschaft klatscht auch rhythmisch im Takt mit - oder wippt auf der heimischen Couch wenigstens mit dem Fuß -, wenn für die erste Wette des Abends zu Volksmusikklängen eine Oktoberfestkulisse auf die Bühne gerollt wird. Da brodelt der Saal, nächste Station: "Musikantenstadl".

War's das?

Für Lanz scheint das in Ordnung zu sein. Zumindest sagt er gefühlt alle paar Minuten "Alles gut", "Ein großer Spaß" oder "Ich bin gespannt". Dass er einen Draht zum Publikum hat, ein Gespür für den richtigen Moment, für die kleinen Pointen, kann er dabei nicht vermitteln. Wobei: Einmal passt das Timing dann doch sehr gut. Bei der Abmoderation verabschiedet Lanz "Helene Fischer, von der wir im ZDF bald noch mehr sehen werden" und "Anja Kling, morgen Abend hier im ZDF zu sehen". Werbung in eigener Sache? Erledigt.

Falls es dem ZDF reicht, eigene Produkte auf diese Weise am Samstagabend zu präsentieren, kann "Wetten, dass..?" genau so weiterlaufen. Fernsehen ohne große Überraschungen und Unwägbarkeiten; mit einem Moderator, der längst nicht alles richtig macht, nur weil er nicht allzu viel falsch macht; für ein immer älter werdendes Publikum, das froh ist, dass die ganzen Neuerungen vom Beginn der Lanz-Ära wieder Geschichte sind; mit Gästen, die die Erwartungen genau dieses Publikums bedienen.

Hoffentlich reicht das dem ZDF nicht.

© SZ.de/plin

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