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Wettbewerb bei digitalen Medien:Außenminster der ARD

Beim Geld hört die Freundschaft auf: In den Rundfunkgebühren für die ARD sehen die Zeitungsverlage oft genug eine Wettbewerbsverzerrung - schließlich konkurriert man auf dem Markt der digitalen Medien. BR-Intendant Ulrich Wilhelm gibt sich konziliant und schwingt sich zunehmend zum ARD-Chefdiplomaten auf. Doch es gibt auch Häuser im Ersten, die wesentlich streitbarer agieren.

Sieben Monate ist es her, dass Ulrich Wilhelm BR-Intendant wurde, im Kreis der ARD-Chefs hat er schnell eine politische Rolle gesucht. Sie drückt sich auch darin aus, dass Sport-Intendant Wilhelm Fußball zur Grundversorgung zählt, dass er aber teure Boxverträge ebenso ablehnt wie die Doppelübertragung der Windsor-Hochzeit Ende April bei ARD und ZDF.

BR Intendant Ulrich Wilhelm: "Fernsehen muss klug machen"

(Foto: Stephan Rumpf)

Wilhelm vermag den Eindruck zu erwecken, dass die Exzesse des Gebührenrundfunks intern erkannt werden. Und während ARD/ZDF den digitalen Ausbau betreiben und die Ministerpräsidenten eine umstrittene Gebührenreform vorantreiben, ist der ehemalige Regierungssprecher Angela Merkels als Verteidiger des Systems unterwegs.

Wilhelm betont gerne, dass Verlage und Sender jenseits der Konflikte ein gemeinsames Wertesystem verbindet, der Qualitätsjournalismus, den es zu verteidigen gilt. Er ist in kurzer Zeit bereits Außenminister der ARD geworden.

So tritt er nun im Interview mit dem Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo auf. Unter dem Titel "Fernsehen muss klug machen" verteidigt der BR-Chef auch die umstrittene Tagesschau-App der ARD für Smartphones. Gegen sie klagen einige Zeitungshäuser, darunter auch der Süddeutsche Verlag, weil sie darin einen vom Staatsvertrag in Teilen nicht gedeckten Wettbewerb sehen.

Der BR-Chef hält die App dagegen für legitim. Sie sei kein Konkurrenzprodukt zu den gedruckten Erzeugnissen der Verleger. Aber natürlich müsste den Verlagen "im Interesse der ganzen Gesellschaft" auch im Digitalen die wirtschaftliche Grundlage erhalten bleiben. Daher wolle er Kompromisse und Kooperationen und man könne auch darüber sprechen, "den Video- und Audioanteil der App noch stärker herauszuarbeiten" - und so den textbezogenen zu reduzieren.

Auseinandersetzung zwischen WDR und WAZ-Konzern

Konzilianter kann man sich kaum ausdrücken, aber die ARD sendet, wie so oft, sehr unterschiedliche Signale aus. Im Westen des föderalen Reiches "spitzt sich die Lage", wie in der Tagesschau so gerne formuliert wird, "dramatisch zu". Der große WDR fühlt sich vom großen WAZ-Konzern attackiert und geht nun juristisch gegen WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus vor.

Im Juli hatte der WDR eine bestehende Kooperation mit dem WAZ-Onlineportal Der Westen ohne Begründung gekündigt - kurz nach Bekanntwerden der Verlegerklage gegen die Tagesschau-App. Nun ist der WAZ-Manager die Tagesschau-App in einem Interview (FAZ, 26. August) scharf angegangen ("Es macht keinen Sinn, mit den Intendanten zu verhandeln") und ruft der gekündigten Kooperation zudem nach: Der WDR habe "immer nur veraltete Beiträge zur Verfügung gestellt, und die sind kaum geklickt worden".

WDR-intern liest man eine andere Passage des Interviews offenbar so, dass Nienhaus behaupte, der Sender setze Politiker unter Druck. Dagegen wehrt sich der WDR gerichtlich und will eine Unterlassungserklärung. "Wir halten Aussagen in dem Interview für unzulässig", teilte WDR-Sprecherin Gudrun Hindersin an diesem Freitag mit, keine Stellungnahme dazu lieferte auf Anfrage die WAZ-Gruppe.

Eine Kooperation des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) mit der WAZ-Tochter Zeitungsgruppe Thüringen besteht weiter. WDR-Intendantin Monika Piel, die derzeit den Vorsitz in der ARD führt, fällt immer mehr als ambitionierte Solistin auf. Aber mit Frauen an der Macht kann ja zum Beispiel Ulrich Wilhelm gut umgehen.

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