ZDF: Katrin Müller-Hohenstein Methode KMH: Ich werbe, also bin ich

Zu viel Nebenjob? ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein bekam Kritik für ihre Milch-Werbung. Nun soll sie sich von ihrem Management lösen.

Von Ralf Wiegand

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft erlebt in Südafrika gerade das, was die Sportbranche einen "Lauf" nennt. Alles, was die Elf von Bundestrainer Joachim Löw anpackt, wird zu Gold. Das Gegenteil eines Laufs ist das, was Katrin Müller-Hohenstein erlebt.

ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein bedauert die Werbeaktion.

(Foto: ddp)

Die Moderatorin, die an der Seite des ehemaligen Welttorwarts Oliver Kahn die WM-Spiele fürs ZDF präsentiert, hat während des Turniers bereits zum zweiten Mal Ärger. Der "innere Reichsparteitag", den sie Miroslav Klose nach dessen erstem Turniertor unterstellte, ist schon Geschichte. Inzwischen hat Klose viermal getroffen, und Müller-Hohenstein, 44, steht bei Eigentor Nummer zwei: Durch ihre Rolle als erste Geige im ZDF-Südafrika-Team haben sich zu Hause ein paar Kollegen etwas intensiver mit ihrem Wirken beschäftigt.

Erst wunderte sich die SZ über die vielen Nebentätigkeiten so manches Fernsehgesichts ("Falscher Einwurf", 28. 6.), dann fand das Medium Magazin heraus, dass ein Werbeauftritt Müller-Hohensteins für eine Molkerei so nicht genehmigt war. ZDF-Chefredakteur Peter Frey schrieb den Lapsus "einer Mischung aus Naivität und Leichtsinn" zu - auf Seiten der Moderatorin, versteht sich.

Den Auftritt hatte Müller-Hohenstein nach ZDF-Angaben als "Mitwirkung in einem Qualitätsbeirat für gesunde Ernährung" beim Sender zur Genehmigung vorgelegt und bewilligt bekommen. Die Molkerei unterstütze die Aktion zwar, habe es im Antrag geheißen, aber "Werbung mit Name /Bild" der Moderatorin sei "ausdrücklich ausgeschlossen".

Die Molkerei ließ inzwischen wissen, die gesamte Kampagne sei mit Müller-Hohensteins Management "bis ins Detail" abgestimmt gewesen. Das ZDF erwartet nun, dass die Moderatorin sich von ihrer Münchner Agentur trennt; die Zusammenarbeit mit der Molkerei sei schon in Abwicklung, die Gage werde "KMH" spenden. Deren Management verweigerte am Montag auf Anfrage jede Stellungnahme.

Ist Katrin Müller-Hohenstein also von ihrem Management gelinkt worden? So naiv schien sie ihre Karriere bisher gar nicht geplant zu haben. Nicht nur ihr Haus-Agentur vermittelte ihr Jobs, auch eine Hamburger "Eventagentur in der Unternehmenskommunikation" führt "KMH" im Portfolio. Sie sei "besonders geeignet für: Gala, Messepräsentation, Tagungsprogramm". Auf Müller-Hohensteins Webpräsenz, Rubrik "Referenzen", ist zu lesen, wie das zu verstehen ist.

Sie moderierte seit 2006, als sie übers Sportstudio einem großen Publikum bekannt wurde, Veranstaltungen etwa für Audi, Bayern LB, BMW, Eon, Playmobil.

Wozu brauchen Journalisten Manager? Und wofür sollen diese "Referenzen" sie qualifizieren? Als "professionelle Journalistin", als die sie für die Molkerei auftrat? Für Chefredakteur Peter Frey ist das alles weitgehend Geschichte. Erst 2009 habe Müller-Hohenstein ihren derzeit gültigen Vertrag mit dem ZDF unterschrieben, und der sei streng, was Werbung angeht: Die sei ausgeschlossen - und nicht jede Gala sei Werbung. Was vorher war, wisse er nicht - das fiel unter die Verantwortung seines Vorgängers Nikolaus Brender. Für das ZDF bleibe, so Frey, Sport im übrigen eine "journalistische Strecke". Es in die Unterhaltung zu verschieben, komme nicht in Frage.

Dabei gelten dort nicht nur großzügigere Regeln für Nebenjobs; der Sender würde auch der Lebenswirklichkeit des Sports im Fernsehen gerecht: Alles eine große Gala!