"Wer stiehlt mir die Show?" bei Pro Sieben:Schrauben locker

Wer stiehlt mir die Show?

Als Quizmaster parteiisch: Joko Winterscheidt.

(Foto: Claudius Pflug)

Joko Winterscheidt möbelt bei "Wer stiehlt mir die Show?" die Quizshow wieder auf. Der Erfolg liegt auch an den Vorteilen des linearen Fernsehens gegenüber Netflix und Co.

Von Dennis Müller

Scheinwerfer, ein schillernder Studioboden, die große Show. Es gibt sie in Deutschland, keine Frage. Aber aus Deutschland? Erfolgreiche Formatideen der vergangenen Jahre wie The Masked Singer oder The Voice stammen aus dem Ausland. Kramt man in der Geschichte der prominentesten Formatentwickler dieses Landes, stößt man, klar, auf Frank Elstner, der mit Wetten, dass...? die erfolgreichste Unterhaltungssendung Europas aus dem damals noch kargen TV-Boden stampfte, und auf Stefan Raab. In der Tradition der Fernsehtüftler steht heutzutage vor allem das Duo Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, das alle paar Jahre mit neuen Originalen aufwartet. Einer der beiden hatte die beste, weil simpelste Idee seit Langem.

Wer stiehlt mir die Show? heißt die Sendung, mit der Joko Winterscheidt seit Jahresbeginn das TV-Quiz neu erfindet. Das klingt erst einmal kühn, denn das haben schon viele probiert. Täglich wird auf Deutschlands Bildschirmen getippt, gebuzzert und gerätselt, ständig kommen neue Hürden für die Teilnehmer dazu, die für Spannung sorgen sollen. Auch in der Pro-Sieben-Sendung passiert das, aber der Grund, warum bis zu 2,6 Millionen Menschen dienstagabends ihre Fernseher einschalten, liegt woanders. Die Macher scheinen verstanden zu haben, was es für eine lineare Unterhaltungsshow braucht im Konkurrenzkampf gegen Netflix und Co.: Ein "Versprechen" - so nennt das Produzent Thomas Schmitt, wenn man ihn fragt -, dass die Show weitergeht, auch außerhalb der Sendezeit.

Der Ausgang der Show ist ein Versprechen auf Überraschung. Und dieses Versprechen hält eine ganze Woche lang

Bei Wer stiehlt mir die Show? steckt dieses Versprechen schon im Titel. Quizmaster Winterscheidt schwebt in der ständigen Gefahr, seine eigene Show zu verlieren. Drei Prominente und ein Zuschauer-Kandidat kämpfen um den Einzug ins Finale. Dort müssen sie Winterscheidt im direkten Duell schlagen. Bisher ist das erst dreimal geglückt: Thomas Gottschalk konnte Winterscheidt im Januar die Show abluchsen, in der Woche darauf lief er zu Van Halens "Jump" die Glitzertreppe hinunter, auch Schauspieler Elyas M'Barek wurde einen Abend lang zum Nachwuchsmoderator. In der vergangenen Woche gelang Bastian Pastewka der Sendungsklau, was er am Dienstagabend daraus macht, weiß zum Zeitpunkt, zu dem dieser Text geschrieben wird, noch keiner. Eine Überraschung, die als Versprechen eine Woche lang im Raum steht.

Dabei ist die Idee des um sein Ansehen kämpfenden Showmasters ebenfalls keine neue, auch nicht bei Pro Sieben. Schlag den Raab ging in eine ähnliche Richtung, der Entertainer verbiss sich jahrelang in Wettkämpfen gegen Olympioniken und Sportstudentinnen. Aber wo es dem oft unnahbaren Raab im Umgang mit den Kandidaten an Feingefühl fehlte, kann Winterscheidt brillieren. Wochenlang zog er im Pointen-Duell mit Gottschalk mit Freude den Kürzeren, aktuell lacht er sich häufiger über Comedian Teddy Teclebrhans Sperenzchen schief als Fragen vorzulesen.

Wer stiehlt Bastian Pastewka die Show?

Was macht er aus der geklauten Sendung? Vorschau-Clip auf die Show mit Bastian Pastewka an diesem Dienstag.

(Foto: Max Beutler)

Joko Winterscheidt eine Show so passend auf den Leib zu schneidern wie seine bunten Anzüge, das hat Thomas Schmitt und sein Produzententeam etwa zwei Jahre lang beschäftigt. Gesucht war eine Show, die zu Winterscheidts Stärken passt und für die sich der 42-Jährige nicht ständig auf Weltreise begeben muss. "Als Fernsehmacher schaut man fast wehmütig auf Quizshowproduzenten wie Pflaume, Pilawa und Jauch", sagt Schmitt. "Die gehen in ihre Studios und können im Prinzip zwei, drei Sendungen am Tag machen." Diese Planbarkeit sei etwas gewesen, wonach sich auch das Team nach dem Duell um die Welt gesehnt hätte.

Sie haben alle Regeln, die wie in Stein gemeißelt sind, mal verändert: "Da hat es angefangen, Spaß zu machen"

Erst sollte Winterscheidt eine Talkshow bekommen, aber die Idee wurde gestrichen und es wurde weitergetüftelt. Bis die Produzenten irgendwann bei der klassischen Quizshow angekommen waren und sich fragten, welche Stellschrauben sie drehen könnten, die in anderen Formaten "wie in Stein gemeißelt" sind. Die Antwort: Der überparteiliche, Jauch'sche Quizmaster sollte parteiisch werden, eine eigene Agenda haben. "Da", sagt Schmitt, "hat es angefangen, Spaß zu machen."

Dass der Spaß ankommt, im Studio und zu Hause auf den Sofas, liegt neben Winterscheidt an dem gut gewählten Promi-Panel: Aktuell bekommen es Bastian Pastewka und Teddy Teclebrhan mit Rapperin Shirin David zu tun. Die 26-Jährige, im Fernsehen bisher nur als Beiwerk von Dieter Bohlens DSDS-Jury aufgefallen, darf bei Wer stiehlt mir die Show? eine andere Seite von sich zeigen. Zuletzt zählte sie in einem Spiel 28 Charaktere aus dem Harry-Potter-Universum auf, die Bücher hätte sie immer bei ihrer Oma in Litauen gelesen. "Gott sei Dank moderiere ich heute", sagte Winterscheidt, der ihre Fragen deshalb nicht beantworten musste und von Davids Nerd-Wissen fast eingeschüchtert war. Heute Abend ist er nur als Kandidat dabei, auf die Rückkehr in die Moderatorenposition könnte er theoretisch noch wochenlang warten.

© SZ/tyc
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