Wenn alles weiblich ist Echte Kerlinnen

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In dem BR-Hörspiel "Apokalypse Baby" überzeugen Frauen als männliche Stereotype - und spannend ist es auch.

Von Stefan Fischer

Vertraute Zutaten: Apokalypse Baby ist ein kleiner Thriller, der sich bei Hardboiled- und Blaxploitation-Motiven bedient. Aber weil die Autorin Virginie Despentes alles auf links krempelt, kommt eine sehr überraschende Geschichte dabei heraus - zumal in der rasanten zweiteiligen Hörspielfassung, die Martin Heindel inszeniert hat.

Dass ein in seiner Haltung sehr amerikanischer Thriller in Europa spielt, erst in Paris, später in Barcelona, ist noch das Geringste - was übrigens gut funktioniert. Spannender ist, dass sich in Despentes Version einer wahren Testosteron-Geschichte kein Platz findet für Männer: Ein junges Mädchen verschwindet, sie flieht vor den Frauen in ihrer Familie. Die haben sie bereits von einer Detektivin beschatten lassen. Und als die kleine Valentine entwischt, holt sich die überrumpelte Schnüfflerin Hilfe - bei der Hyäne. In Ermittlerkreisen eine legendäre, auch etwas dubiose Figur, beschlagen, gewaltbereit. Und eben auch eine Frau. Despentes spielt mit den männlich geprägten Rollenbildern: Was passiert mit solchen Figuren, wenn sie weiblich sind? Und was passiert mit Frauen, wenn Sie in solche Rollen schlüpfen? Es ist vor allem eine andere Art von Sensibilität, die sich bei aller Härte durch Apokalypse Baby zieht.

Hinzu kommt, dass die Erzählperspektiven kunstvoll wechseln, dass die Handlung um eine zusätzlich neugierig machende Leerstelle kreist. Am Ende ist die Thriller-Handlung gar nicht mehr so wichtig. Despentes interessiert sich mehr für ihre Figuren und dafür, wie sie aus ihrem persönlichen Schlamassel wieder herauskommen.

Apokalypse Baby, Bayern 2, 20.05 Uhr. Teil 2 am 27. Februar