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Weißes Haus:Craighead macht ihre Engagements nicht vom Parteibuch abhängig

Ihre Fotos sind gefragt - und das nicht nur bei Republikanern. Sie hat schon für den Boston Globe fotografiert und für die Agenturen Associated Press und Getty Images. Es wäre also zu einfach, ihr vorzuwerfen, sie würde ihre Engagements vom Parteibuch des Auftraggebers abhängig machen. Auch der Demokrat und frühere Vizepräsident Joe Biden schätzte ihre Arbeit (Pete Souza war im Übrigen lange vor seiner Zeit mit Obama der persönliche Fotograf von Präsident Ronald Reagan). Dass Donald Trump sie nun engagiert hat, dürfte also nicht nur mit ihren bisherigen Auftraggebern zu tun haben.

Craighead selbst schreibt sich eine "unaufdringliche Art" zu. Vermutlich ist das die wichtigste Qualifikation für einen Job, bei dem man mit dem Präsidenten in einem Raum bleiben soll, wenn die meisten anderen das Zimmer verlassen müssen.

So war Pete Souza etwa mit im "Situation Room", als Obama den Befehl zum Angriff auf das Versteck von Osama bin Laden gab. Seine Aufnahme, die die Anspannung des Präsidenten in den Momenten danach festhält, ist zum ikonographischen Dokument im Kampf gegen Terrorismus geworden. Souza löse sich in seiner Umgebung auf, um solche Momente einzufangen, schrieb die Washington Post einmal.

Trump ist es gewohnt, sein öffentliches Bild selbst zu gestalten

Auch Craighead hat bei ihrer Arbeit mit Politikern gelernt, sich zurückzunehmen. Und es dürfte spannend werden, zu beobachten, wie sie ihre neue Aufgabe gestaltet. Wie viel Dokumentation, wie viel Kommentar gar sie mit ihren Bildern transportieren will - und kann.

Trump ist schließlich ein Medienprofi, der vielleicht unmittelbarste Präsident, den es je gab. Er ist es gewohnt, sein öffentliches Bild selbst zu gestalten. In einem der ersten offiziellen Porträts, die Trump freigegeben hat, macht der Präsident ein grimmiges Gesicht. Das Foto hängt künftig in vielen Regierungsgebäuden, unter anderem im "Federal Immigration Court" in Washington.

Shealah Craigheads Job wird es in den kommenden Jahren sein, Bilder mit Symbolik zu schaffen. Bilder, die dann über die Plattformen verbreitet werden, die das Weiße Haus seit Obama nutzt (darunter Instagram und Flickr).

Geschichte dokumentieren, während sie passiert? Ein ambitioniertes Versprechen. Denn es bleibt schließlich die Frage: Wessen Geschichte? Die Version des Präsidenten? Oder auch die der Fotografin? Auf ihrer Webseite heißt es: "Shealah Craighead fängt die Direktheit und die Auswirkungen politischer Machenschaften in unserer Hauptstadt ein."

Linktipp: Eine Übersicht über die bisherigen Fotografen des Weißen Hauses finden Sie hier.

© SZ.de/sks
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