FernsehenWeihnachten ohne Sissi?

Lesezeit: 2 Min.

Schmachten sich künftig auf RTL an: Romy Schneider als Sissi und Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph.
Schmachten sich künftig auf RTL an: Romy Schneider als Sissi und Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. (Foto: imago stock&people/United Archives)

Zum ersten Mal seit acht Jahren wird der Klassiker an den Feiertagen nicht mehr im Ersten laufen, dafür aber bei der privaten Konkurrenz. Eine Frage der Rechte.

Von Carolin Gasteiger

Die Nachricht klingt nach Paukenschlag. „Traditionsbruch im Ersten – ‚Sissi‘ fällt aus“ titelt etwa die Saarbrücker Zeitung, bei Merkur.de „fliegt“ „Sissi“ sogar aus dem Programm. Und auch die ARD bestätigt: Man könne die Trilogie aus den Fünfzigern dieses Weihnachten nicht zeigen.

Also wird am 25. Dezember Sissi nicht mehr den Hirsch verjagen, den der österreichische Thronfolger Franz Joseph im Wald schießen will (Teil eins, „Sissi“), er wird ihr später in den bayerischen Bergen auch kein Edelweiß pflücken und dabei fast abstürzen (Teil zwei, „Sissi – Die junge Kaiserin“) und am zweiten Weihnachtsfeiertag wird auch nicht ganz Venedig für die Kaiserin Spalier stehen und „Viva la mamma“ rufen, wenn ihre kleine Tochter ihr vor dem Markusdom entgegenläuft (Teil drei, „Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin“).

Bei „Sissi“ will man den Fernseher anschalten, ganz klassisch

Als würden die Öffentlich-Rechtlichen nicht eh schon genug Kultur einsparen, jetzt nehmen sie uns auch noch den Klassiker zum Fest schlechthin? Weihnachten ohne Néné, den vermeintlich schwerhörigen Kaiservater und den tollpatschigen Oberst Böckl? Und vor allem: ohne Werbeunterbrechung! Jammerschad’ wär’s.

Aber es ist nun auch nicht so, dass man ganz auf die österreichische Kaiserin verzichten muss. In den vergangenen Jahren haben sich einige neue Produktionen Sisi angenommen und dabei mehr gewagt, als ihr nur das zweite s aus ihrem Namen zu entfernen. Und für alle, die Romy Schneider und Karlheinz Böhm weiterhin beim Schmachten zugucken wollen, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit: Prime und Netflix bieten nach wie vor alle drei Teile zum Streamen an. Aber „Sissi“, so viel Tradition muss sein, gehört nun mal zu den Filmen, die man ganz linear anschauen will. Im Fernsehen. Von der Couch aus.

"Sisi" in Film und Serien
:Kaiserliche Entkitschung

Das Fernsehen entdeckt gerade Kaiserin Elisabeth als komplexen Charakter neu. Die "Sisi"-Renaissance ist kein Wunder - und längst überfällig.

Von Carolin Gasteiger

Der Bruch der ARD mit „Sissi“ liegt schlicht an den Rechten. Seit 2024 liegen die nicht mehr beim Ersten, wo die drei Teile seit 2014 gelaufen sind – zunächst im Frühjahr, von 2016 an im Weihnachtsprogramm. Nun hat ausgerechnet RTL sich den Klassiker gesichert. Der Sender hatte dem Bayerischen Rundfunk zuletzt schon den „Pumuckl“ weggeschnappt, und mit „Sisi“ eine eigene Serie über die österreichische Kaiserin produziert, die fresher daherkommt als die Nachkriegstrilogie von Ernst Marischka. Die RTL-Sisi masturbiert und lässt Dildos in die Hofburg schmuggeln. Nun sichert sich RTL auch den Klassiker.

Früher strahlten schon andere Privatsender „Sissi“ aus: Bis 2012 etwa lagen die Rechte bei Pro Sieben Sat 1. Dort liegen auch die Rechte an einem weiteren Film, der nicht aus dem Weihnachtsprogramm wegzudenken ist: „Kevin allein zu Haus“. RTL hatte sich vor Pro Sieben zuletzt auch die James-Bond-Filme gesichert. Und nun „Sissi“. RTL zeigt die Filme jeweils im Paket, an Heiligabend, 20.15 Uhr, laufen alle drei Teile hintereinander, am 25. Dezember noch einmal vormittags von 10.35 Uhr an – mit Werbeunterbrechung.

Aber keine Sorge: Ein bisschen bleibt die heile Weihnachtswelt in der ARD bestehen. „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (Heiligabend, 12.50 Uhr) und „Der kleine Lord“ (Erster Weihnachtsfeiertag, 16.50 Uhr) laufen auch 2025 verlässlich im Ersten. Noch.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Kaiserin Elisabeth in Film und Fernsehen
:Unsere innere Sisi

Übermutter, Tyrannin, Pferdenärrin: Kaiserin Elisabeth glänzt in immer neuen Film- und Serienproduktionen. Die Interpretationen könnten unterschiedlicher kaum sein – und erzählen viel über ihre Zeit.

SZ PlusVon Carolin Gasteiger, Aurelie von Blazekovic

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: