Website Buzzfeed:Wir erleben gerade die nächste Stufe

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Diese Verbindung, die auf Buzzfeed alltäglich ist, lässt die Zuhörer schmunzeln, sie halten das nicht für seriösen Journalismus. Für Peretti ist diese Kombination die unumstößliche Realität der sozialen Medien. Im Nachrichtenstrom von Facebook läuft dieser "emotionale Inhalt", wie Peretti die Tierfotos nennt, direkt neben dem "informierenden Inhalt", für den sich Journalisten bisher einzig zuständig sahen. "Es gibt Journalisten, die mir sagen, dafür haben sie keine Journalistenschule besucht, um sich mit Tierbildern zu befassen", erzählt er und sagt: "Das ist aber heute Journalismus." Es gibt auch bekannte Journalisten, die Perettis Meinung teilen.

Lisa Tozzi hatte 13 Jahre in wichtiger Position für die New York Times gearbeitet, bevor sie im Frühjahr zu Buzzfeed wechselte. Miriam Elder war Moskau-Korrespondentin beim Guardian, sie arbeitet jetzt daran, ein Netz an Auslandkorrespondenten für Buzzfeed aufzubauen. Es sind gestandene Journalisten, die Peretti zu Buzzfeed holt. Er plant ein Investigativressort, widmet sich so genannten Longreads, langen Lesestücken, von denen es immer hieß, sie würden im Netz nicht gelesen.

Perettis Botschaft ist klar: Wir erleben gerade die nächste Stufe des sogenannten sozialen Webs. Wer die Menschen erreichen wolle, die mit Facebook und Twitter und vor allem Tumblr sozialisiert wurden, muss deren Kultur verstehen - und Geschichten auf ihre Art erzählen.

Erstaunliches Geschäftsmodell

Die Außenpolitik-Expertin Miriam Elder legte die Grundlagen des Syrien-Konflikts in dieser Woche in 55 Bildern dar - und bewies damit: Diese Form der "Listicles" genannten Artikellisten kann man nicht nur für lustige Katzenbilder nutzen, sie können auch im Politikjournalismus Verwendung finden. Buzzfeed ist mit diesem Ansatz nicht allein. Der Buchautor Eli Pariser (Filter Bubble) verfolgt seit Kurzem mit dem Portal Upworthy einen vergleichbaren Plan: Er will relevante Inhalte für die Generation derjenigen aufbereiten, die sich nicht suchend, sondern durch Hinweise ihrer Freunde durchs Netz bewegen.

Upworthy wie Buzzfeed zeigen ein erstaunliches Wachstum - und dass dies auch ein erstaunliches Geschäftsmodell nach sich zieht, ist für Peretti logisch. Er meint, eine weltweite Nutzerschaft für diese neue Form des Journalismus erkannt zu haben, und will diese nun bedienen - übrigens anders als bei der Huffington Post nicht durch weitere lokale Ableger. Einer deutschen Ausgabe von Buzzfeed, von der hierzulande mancher träumt, erteilte Peretti in der Mitarbeiter-Pressemitteilung eine Absage.

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