Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk:WDR hat weiterhin Bedarf für Krisen-Experten

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Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk: Steht noch bis Ende 2021 der ARD vor: Tom Buhrow.

Steht noch bis Ende 2021 der ARD vor: Tom Buhrow.

(Foto: Marcel Kusch/dpa)

Der ARD-Vorsitz von Tom Buhrow endet. Trotzdem leistet sich der WDR-Chef weiter externe Kommunikationsberater.

Von Anna Ernst und Claudia Tieschky

Glaubt man den Senderchefs des öffentlich-rechtlichen Rundfunks am Ende des Jahres 2021, dann bringt die Zukunft dort vor allem eines: Sparen, sparen, sparen. Alles muss auf den berühmten Prüfstand, denn wenn die neue ARD-Mediathek einmal richtig laufen soll, braucht auch das mehr Geld.

Doch wenn es mal nicht ums Sparen beim Programm geht, dann kommt - jedenfalls beim WDR in Köln - zum Prüfstand auch mal der Handstand. Wie das Fachblatt Medienkorrespondenz nun berichtet, hat der öffentlich finanzierte Sender beschlossen, den Vertrag mit seinen beiden externen Beratern Andreas Fünfgeld und Wolfram Winter bis kommenden Herbst zu verlängern. Die beiden engagierte der von Tom Buhrow geführte WDR für die vergangenen zwei Jahre - also für die Zeit, in der der Sender den ARD-Vorsitz führte und zudem recht heikle Themen wie die Beitragserhöhung anstanden. Fünfgeld hatte Buhrow schon vor dessen Intendantenzeit in PR-Dingen beraten. Gemeinsam mit Winter sollte er zusätzlich zum Stab der bereits beim WDR festangestellten Pressesprecher und Marketing-Experten tätig werden. Dafür wurden gemäß Ausschreibung insgesamt 580 000 Euro bereitgestellt. Der ARD-Vorsitz des WDR endet kommende Woche. Das Kölner Herrengedeck leistet sich der Sender weiter.

Warum? Und wozu? Und was kostet die Weiterbeschäftigung? Die Auskunft des Senders bringt am Donnerstag zunächst ungefähr den Erkenntniswert eines maschinell erstellten Formbriefs. Der WDR teilt auf Anfrage zunächst genau drei Sätze mit: Der Beratervertrag mit Winter und Fünfgeld laufe bis Herbst 2022, "ohne dass der seinerzeit veranschlagte finanzielle Rahmen dabei ausgeschöpft wird. In der europaweiten Ausschreibung war von Beginn an die Option für ein drittes Jahr enthalten. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir zu weiteren Vertragsdetails grundsätzlich keine Auskunft geben". Kein Zweifel, zwei Jahre Kommunikationsberatung sind hier doch recht spurlos vorbeigegangen.

Tatsächlich gab es in der Ausschreibung eine Verlängerungsoption für ein weiteres, drittes Jahr mit dem versierten Netzwerker Winter und dem Buhrow-Vertrauten Fünfgeld. Die in den bisherigen zwei Jahren abgerechneten Leistungen, so lässt sich das WDR-Statement verstehen, blieben wohl so weit unter den angesetzten 580 000 Euro, dass nun für das Geld noch ein Dreivierteljahr mehr drin ist.

Allerdings hätte der öffentlich finanzierte WDR (erwartete Erlöse aus dem Rundfunkbeitrag für kommendes Jahr: 1,2 Milliarden Euro) den Vertrag natürlich beenden und die nicht ausgegebene Summe sparen können. Wie viel von dem Geld übrig ist oder was genau die Berater bis Herbst tun sollen, sagt der WDR nicht.

Schon vor dem "Umweltsau"-Lied hatte Buhrow sich Krisen-Experten gesucht

Als Buhrow vor zwei Jahren den ARD-Vorsitz übernahm, rechnete er offenbar bereits mit großen Problemen, die auf ihn zukommen könnten. Schon im Juli 2019 - Monate bevor Buhrow es mit einem hundsgefährlichen Kinderchor zu tun bekam, der "Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau" sang - hatte er sich vorausschauend Verstärkung für Krisenkommunikation gesucht. Die größte "Krise", die Fünfgeld und Winter übernehmen sollten, war die sich abzeichnende Empfehlung der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten KEF für eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags. Dabei sei "mit kritischer Berichterstattung in anderen Medien zu rechnen", und auf politischer Ebene werde "intensiv über den Auftrag und die Ausstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks debattiert werden", hieß es in der Ausschreibung. Fünfgeld und Winter sollten im Zuge dieser Debatten gezielte Strategien für den ARD-Vorsitz entwickeln. Der ist jetzt vorbei. Wozu also braucht Buhrow neben seiner eigenen Kommunikationsabteilung weiterhin zwei externe Krisenberater?

Der kleine RBB in Berlin, an den der ARD-Vorsitz zum Jahreswechsel übergeht, kommt übrigens ohne Fünfgeld und Winter aus. Dort hat man das eigene Presseteam mit der früheren Medienjournalistin Ulrike Simon aufgestockt, die sich um strategische Kommunikation kümmern soll und auf Anfrage sagt: "Wir machen alles in Eigenregie."

Am späteren Nachmittag schickt der WDR dann ein weiteres Statement mit Begründungen für die Vertragsverlängerung: Die Medienanfragen zum inhaltlichen und strukturellen Umbau der Öffentlich-Rechtlichen hätten stark zugenommen, heißt es dort; die interne Kommunikationsabteilung für den ARD-Vorsitz werde aufgelöst, und immerhin bleibe der WDR-Intendant ja stellvertretender ARD-Vorsitzender. Buhrow leistet sich also auch als Zweitwichtigster in der ARD seine zwei wichtigsten Berater. Vive la crise!

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