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WDR-Rundfunkrat fordert weniger Talkshows:Fünf minus eins

Zu viele Gäste, zu viele gleiche Themen, zu wenige kritisches Nachfragen: Der WDR-Rundfunkrat sieht in der ARD-Talkschiene alle "Befürchtungen bestätigt" - nun soll eine Sendung weichen.

Wenn es nach dem WDR-Rundfunkrat geht, dann wird es künftig weniger Talkshows im Ersten geben. Mit nur einer Stimme Enthaltung billigte das Aufsichtsgremium des größten Senders im Verbund am Montag eine Stellungnahme, in der von der ARD verlangt wird, in Sachen Talk auf Diät zu gehen.

Frank Plasberg, Sandra Maischberger, Günther Jauch, Anne Will, Reinhold Beckmann

Sie sind viele: Die ARD-Moderatoren (v.l.) Frank Plasberg, Sandra Maischberger, Günther Jauch, Anne Will und Reinhold Beckmann.

(Foto: ARD)

"Wir möchten dringend empfehlen, diese Form der Talkleiste nicht fortzuführen", sagte Petra Kammerevert in der ersten öffentlichen Sitzung des Rundfunkrates. Die Vorsitzende des Programmausschusses berichtete von den Ergebnissen einer Programmbeobachtung, die der WDR-Rundfunkrat bereits im Dezember 2010 vor dem Start der Gesprächsschwemme im Herbst vergangenen Jahres angeregt hatte. Damals schon gab es eine Stellungnahme, in der das Talkangebot kritisch gesehen wurde. Mit vorschnellen Entscheidungen zur zukünftigen Programmstruktur im Ersten sei eine Chance vertan worden, hieß es, nachdem klar geworden war, dass die meisten Talkshows auf neue Plätze wandern mussten. Damit wurde für den Neuzugang Günther Jauch am Sonntag freie Bahn geschaffen. Klare Profile und regelmäßige Absprachen wurden zudem gefordert.

"Unsere Befürchtungen haben sich allesamt bestätigt", sagte Kammerevert jetzt. Bei der Sichtung der entsprechenden Programme zu Anfang des Jahres sei man auf ein Zuviel des Gleichen gestoßen. Immer wieder hießen die Themen Wulff und Gauck. "Die Anzahl der Gäste ist zu groß", monierte sie. Zudem funktionierten offensichtlich die Absprachen zwischen den einzelnen Redaktionen nicht. Auf die Frage der Quoten, die bis auf die Ausnahme Jauch durchaus besser sein könnten, ging sie nicht ein.

"Wir möchten eine Reduzierung"

Der Frage, welche der Talkshows denn nun wegfallen soll, entzieht sich der Rundfunkrat indes. "Es sind alles hervorragende Journalisten, die da arbeiten", urteilte Kammerevert und schob den Ball damit ins Spielfeld der Produzenten. "Wir möchten eine Reduzierung", sagte sie. Wie die aussehen wird, sollen die Sender untereinander entscheiden. Möglicherweise könnte man ja einzelne Talkformate auch im wöchentlichen Wechsel ausstrahlen.

Auf die Frage eines Rundfunkratsmitglieds, ob nicht unterschiedliche Vertragslaufzeiten der einzelnen Talkmaster der gewünschten Änderung entgegen stünden, antwortete die Rundfunkratsvorsitzende Ruth Hieronymi. "Die Vertragslaufzeiten sind angepasst", sagte sie und machte deutlich, dass man das Jahr 2012 für entsprechende Entscheidungen zur Verfügung habe.

Auch der ARD-Programmbeirat hat sich bereits mit dem Thema befasst, wie WDR-Rundfunkrätin Geesken Wörmann berichtete. "Es gibt zu viel von demselben", reportierte sie die Stimmung. Zudem sei man zu dem Schluss gekommen, dass in den Sendungen durchaus öfter mal kritischer nachgefragt werden solle. Hieronymi berichtete, der NDR-Rundfunkrat befasse sich parallel mit demselben Thema. In Kürze sollen die Ergebnisse zusammengeführt werden.

Man hoffe, durch die Stellungnahme "die ARD-interne Diskussion zu beflügeln". Das jedenfalls ist ziemlich sicher.

© SZ vom 17.04.2012/cag

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