WDR-Reportage Wie Anke Engelke auszog, etwas über das Fürchten zu lernen

Dass Anke Engelke selbst erstaunlich furchtlos ist, ergibt eine Elektroden-Untersuchung im Labor.

(Foto: WDR)

Wovor haben Menschen Angst, und wie kann man sie wieder loswerden? Für eine WDR-Reportage sucht Anke Engelke wohltuend unaufgeregt nach Antworten.

Von Christoph Fuchs

Um sich ihrer Höhenangst zu stellen, will sie auf einen Kirchturm steigen. Außerdem sucht sie einen öffentlichen Ort, an dem die Leute Angst haben. Für beides hätte die Kölnerin Anke Engelke nicht weit fahren müssen: einmal den Dom rauf, dann auf der Domplatte noch mal von den sexuellen Übergriffen der Silvesternacht 2015 reden, die ein Symbol dafür wurden, dass die Angst um sich greift, und fertig. Aber Engelke geht nicht auf die Domplatte, sie meidet die Brennpunkte aus den Nachrichten. Gerade das ist der interessante Ansatz ihrer Reportage Sowas wie Angst, die am Donnerstag im WDR läuft.

Stattdessen ist Engelke viel in Wuppertal. Das ist nicht nur deshalb eine gute Idee, weil die dortige Schwebebahn ausnehmend schöne Schnittbilder liefert. In Wuppertal gibt es außerdem sogenannte Angstorte, Plätze also, an denen die Einwohner laut Erhebungen besonders viel Angst haben. An einen solchen Platz geht Engelke und redet mit Passanten, die dort eigentlich nur ungern stehen bleiben, und mit den Trinkern dort, die das nicht so recht verstehen können. Und bevor das Ganze bei einer Besprechung mit Verschönerungs-Aktivisten zu sehr in Richtung gefilmte Bürgerversammlung abdriftet, verteilt Engelke nach einem harten Cut selbst schwungvoll Flyer, um Wuppertal auf dem Angstplatz zu versammeln.

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Die Schauspielerin und Komikerin, die sich in ähnlichen Formaten schon mit den Themen Glück und Perfektion beschäftigte, hat viele Fragen: Wovor haben die Leute Angst, was sind die Ursachen für immer mehr Angst und wie kann man diese wieder loswerden? Das und die zahlreichen Gesprächspartner bergen die Gefahr, sich in der Vielstimmigkeit zu verlieren. Grundschülern beim Malen ihrer Ängste zuzuschauen ist zwar nett, jedoch nicht von größtem Erkenntnisgewinn. Die meisten Menschen, die Engelke trifft, haben jedoch eine neue Facette beizutragen: von den "Preppern", die sich für Katastrophen rüsten, bis zum Professor, der die Grenzlinie zur krankhaften Angststörung zieht.

Engelke bringt dabei ihre eigene Haltung mit ein. Etwa wenn sie nach einem Selbstverteidigungskurs, in dem sie Angreifern zwischen die Beine treten soll, sagt: "Lieber einmal zu viel verteidigen als einmal zu wenig - ich weiß nicht, wie ich das finden soll." Es überrascht nicht, dass sie am Ende dafür plädiert, nicht hinter jeder Ecke das Böse zu vermuten. Was den Film sehenswert macht, ist der Weg dorthin. Die 75 Minuten sind kurzweilig, ohne das gerade bei diesem Thema naheliegende Visualisierungsgedöns zu bemühen. Engelke gelingt es, die Angst unaufgeregt zu vermessen.

Sowas wie Angst - Eine Suche mit Anke Engelke, WDR, Donnerstag, 22.40 Uhr.

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